Ziel erreicht: Bürgermentoren können loslegen

In großer Schrift stehen Stichpunkte auf dem Flip-Chart, Stifte sausen übers Papier, es wird leise geredet und diskutiert: Für die zehn Teilnehmer ist es der letzte Teil ihrer Fortbildung. Mit rund 40 Stunden wurden sie für ihre freiwillige Aufgabe fit gemacht, bürgerschaftliches Engagement in Tettnang zu fördern. Das bisher Einzigartige: Die Gruppe besteht aus Menschen mit und ohne Einschränkungen. Mit dem Ende ihrer Fortbildung nennen sie sich Bürgermentoren.

 

Einige Abende und mehrere Samstage kamen die Interessierten in die Anlaufstelle für Bürgerengagement in Tettnang, um zu lernen. Dort drückten sie jedoch nicht die Schulbank, sondern lernten im aktiven Austausch und mit praktischen Übungen unterschiedliche Fähigkeiten als wichtiges Handwerkszeugs für die Entwicklung des Ehrenamts vor Ort: von der Gesprächsführung, der Projekt-Organisation und verschiedenen Führungstechniken für Gruppen bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Damit Menschen mit Einschränkung möglichst alles verstehen konnten, wurden die Inhalte weitgehend in Leichter Sprache* vermittelt.

Fortbildung mit vielen Aspekten
Methodisch abwechslungsreich war zum Beispiel der Teil von Referentin Elke Schätzle, einer Mitarbeiterin der Liebenau Teilhabe: Sie verdeutlichte, wie Kommunikation funktioniert und sprach über die Bedeutung von Mimik und Gestik, über Missverständnisse und Konflikte. Emotional wurde es, als die Gruppe im Rollenspiel versuchte, einen Vater-Tochter-Streit nachzustellen. Beim Thema Öffentlichkeitsarbeit und Werbung überlegten sich die Teilnehmer in Kleingruppen, wie sie ihre Ideen und Projekte bewerben können. Am Ende standen Pressemeldungen sowie Flyer-Scribbles für unterschiedliche Aktivitäten etwa mit Kindern, Theaterbesuche für Menschen mit Einschränkungen oder für eine Stadtführung in einfacher Sprache.

Inklusion durch Ehrenamt
Dass Inklusion bestens mit freiwilligem Engagement zusammenpasst, davon ist Melanie Friedrich überzeugt. Sie ist in Tettnang für die Anlaufstelle für Bürgerengagement zuständig. In dieser Funktion war sie auch verantwortlich für die Zusammenstellung der stimmigen Fortbildung. Auch ist sie weiterhin Ansprechpartnerin für die Bürgermentoren. An ihrer Seite war als ehrenamtlicher Referent der Consulting-Experte Wolfgang Koczelniak. In Baden-Württemberg wurden bereits rund 2000 Bürgermentoren in verschiedenen Kommunen gewonnen. Ein vom Land gefördertes Programm ermöglichte dies. Das Einzigartige in Tettnang sei jedoch die Einbeziehung von Menschen mit Einschränkungen. Karin Plettscher von der Liebenau Teilhabe hob hervor, dass Menschen mit Behinderung als Bürgermentor nicht nur Wertschätzung erfahren, sondern vor allem, dass sie dahinterkommen, etwas erreichen zu können. Durch die Projektpartner Diakonie Pfingstweid und Stiftung Liebenau ist der Sozialraumbezug hergestellt und die Aktivitäten nachhaltig ausgerichtet. „Das Projekt Bürgermentoren wurde gefördert durch das Programm „Gemeinsam sind wir bunt“ des Sozialministeriums Baden-Württemberg und durch das landesweite Förderprogramm zur Ausbildung von Bürgermentoren.

Zielsetzung: konkrete Projekte
Während der gemeinsamen Fortbildung sind die Bürgermentoren nicht nur zusammengewachsen. Die Teilnehmer haben ihre Zeit auch genutzt, um Ideen zu konkreten Projekten weiterzuspinnen. Sie haben sich überlegt, wen sie ansprechen möchten und wie sie die Bürger in Tettnang erreichen können. In der letzten Abschlussrunde meinte Bürgermentorin Marguerite Wind: „Wir sind professionell geschult worden.“ Und wurden dadurch selbst zu Profis für ihre Aufgabe. Als sichtbaren Beweis erhielten alle Teilnehmer ein Zertifikat.


* Leichte Sprache hat zum Ziel möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern Informationen zugänglich zu machen, und somit Barrieren bei der Info-Beschaffung abzubauen. Denn wer informiert ist, ist fähig selbstbestimmt zu leben, so wie es auch von der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird.

 

 

Ziel erreicht: Bürgermentoren können loslegen


Der Text in Leichter Sprache ist geprüft von der Prüfer-Gruppe der St. Gallus-Hilfe.

 

 

Bürger-Mentoren stärken das Ehren-Amt
Viele setzen sich in Tettnang ehren-amtlich ein.
Das heißt, sie arbeiten in ihrer Frei-Zeit.
Sie bekommen kein Geld für ihre Arbeit.

In Tettnang gibt es seit Februar zehn Bürger-Mentoren.
Die zehn Männer und Frauen kommen aus Tettnang und der Nähe.
Sie sollen andere Ehren-Amtliche unter-stützen.
So soll das Ehren-Amt in Tettnang noch mehr werden.
Interessant an den Tettnanger Bürger-Mentoren ist:
Es sind Menschen mit und ohne Behinderung.

Bürger-Mentoren sind geschult
Die Bürger-Mentoren haben eine Fort-Bildung gemacht.
Die Fort-Bildung war sehr umfang-reich.
Sie hilft den Bürger-Mentoren bei ihrer Aufgabe.
Die Lehrer versuchten einfach zu sprechen.
Die Unter-Lagen waren in Leichte Sprache übersetzt.
Alle Teil-Nehmer konnten die Inhalte verstehen.

Bei der Fort-Bildung lernten die Bürger-Mentoren zum Beispiel:

  • wie man gut Gespräche führt
  • wie die Verständigung zwischen Menschen geht
  • wie man Streit schlichtet
  • wie man eine Sache gut plant
  • wie man Werbung für eine Sache macht


Melanie Friedrich arbeitet für die Stadt Tettnang.
Sie ist in Tettnang für das Ehren-Amt zuständig.
Für die Bürger-Mentoren ist sie die Ansprech-Partnerin.
Sie hat auch die Fort-Bildung für die Bürger-Mentoren gemacht.

Interessante Sachen
Die Bürger-Mentoren haben sich schon Sachen überlegt.
Zum Beispiel:

  • Kochen mit Kindern
  • Theater-Besuche für Menschen mit Behinderung
  • Stadt-Führungen in einfacher Sprache


Bürger-Mentoren in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es schon mehr als 2000 Bürger-Mentoren.
Das Land hat für ihre Fort-Bildung Geld gegeben.
Deshalb können Städte und Gemeinden leichter Bürger-Mentoren ausbilden.

Damit das Ehren-Amt mehr wird, arbeiten in Tettnang zusammen:

  • die Stadt Tettnang
  • die Stiftung Liebenau
  • die Diakonie Pfingstweid

 

Sie haben alle viel Erfahrung mit Menschen mit Behinderung.Menschen mit Behinderung können deshalb gut teil-haben.

Aktiv und voller Ideen machen sich die angehenden Bürgermentoren an ihre Aufgaben: Melanie Friedrich (rechts) von der Anlaufstelle für Bürgerengagement ist wichtige Ansprechpartnerin.
Maria Calamiello, Melanie Friedrich von der Anlauf-Stelle, Torsten Calamiello und Marguerite Wind bei der Fort-Bildung.
Das Ende der Fortbildung feierte Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter (5.v.r.) mit den Bürgermentoren und ihren Hauptreferenten.