Flüchtlinge aus Afrika wollen endlich ankommen

Basira Sanyang und Sorjo Marong rollen Palletten durch die Halle, helfen bei der Konfektionierung von Aufträgen und schrauben verschiedene Teile zusammen: In der Lagerlogistik und der Industriemontage im Arbeitsintegrationsprojekt (AIP) der Liebenau Teilhabe nutzen die beiden Gambier die Zeit, um sich für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu profilieren. Das Projekt „Pro Job!“ einer Trägergemeinschaft* verfolgt das Ziel, Menschen mit Unterstützungsbedarf – in diesem Fall Flüchtlinge – in der Region Bodensee-Oberschwaben bei der Heranführung an den ersten Arbeitsmarkt zu helfen. Und so die Tür in die deutsche Gesellschaft weiter zu öffnen.

 

Zu Beginn ihres Einsatzes waren sie noch zu dritt. Einer der Gambier ist zwischenzeitlich bei einer Westernreiter-Ranch tätig mit Aussicht auf eine längerfristige Anstellung. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung war für die Afrikaner zunächst neu und ungewohnt. Aber die Zusammenarbeit klappte auf Anhieb kooperativ und konstruktiv ebenso wie mit den Auszubildenden des Berufsbildungswerks Adolf Aich und den Mitarbeitern der Firma Colorus, die ebenfalls im AIP beheimatet sind. „Alle unterstützen sich gegenseitig, profitieren und lernen voneinander“, schildert Isabella Burgey-Meinel, Leiterin des AIP. Sehr hilfreich im Berufsalltag fand sie die bereits guten Deutschkenntnisse der jungen Afrikaner. 

Zeit sinnvoll genutzt
Drei Monate lang arbeiten der 22-jährige Basira Sanyang und der 21-Jährige Sorjo Marong im AIP. Ihrer Tätigkeit ging eine vierwöchige Phase im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Liebenau Berufsbildungwerk voraus. Nach einer Einstiegswoche unter anderem mit individueller Beratung, Coaching, sozialer und persönlicher Stärkung sowie Arbeitserprobung besuchten die jungen Männer einen dreiwöchigen Sprachkurs im BBW. Um die sprachlichen Barrieren abzubauen, drücken sie derzeit einen Tag pro Woche die Schulbank für Sprachunterricht.

Hoffnung auf berufliche Chancen
Neben den berufspraktischen Kenntnissen haben sich Basira Sanyang und Sorjo Marong auch sogenannte Soft Skills wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Umgangsformen angeeignet, die im deutschen Berufsalltag unabdingbar sind. Nun hoffen sie auf eine feste Anstellung nach ihrer jahrelangen Odyssee. Die Integration auf dem Arbeitsmarkt ist auch für sie der Schlüssel zu einer gelingenden Eingliederung in die deutsche Gesellschaft.

* An der Trägergemeinschaft beteiligen sich neben der Liebenau Teilhabe und Liebenau Berufsbildungswerk, die Arkade Pauline 13, die Integrationswerkstätten Oberschwaben, das Jobcenter Landkreis Ravensburg, die OWB Oberschwäbische Werkstätten und das Zentrum für Psychiatrie Süd-Württemberg.

Basira Sanyang (links) und Sorjo Marong aus Gambia: Während ihres Einsatzes im AIP lernten sie praktische Kenntnisse sowie Soft Skills und profilierten sich damit für den ersten Arbeitsmarkt.
Basira Sanyang und Kornelia Koch