Ein ganzes Dorf wird aktiv

Wie füllt man in einer Kommune den Begriff der Inklusion mit Leben? Wie zeigt sich Inklusion im Alltag? Annika Taube ist als Projektleitung für ein „Inklusives Oberteuringen“ von der Gemeinde im Bodenseekreis mit dieser Aufgabe beauftragt: Seit etwa zwei Jahren vernetzt sie lokale, soziale und ehrenamtliche Ressourcen, die es vor Ort schon gibt, stößt neue Ideen an, um die Gemeinde für Menschen der unterschiedlichsten Art barrierefrei und inklusiv zu machen.

 

Dabei gilt Oberteuringen auch schon jetzt als Vorzeigekommune in Sachen Inklusion. Im Baugebiet Bachäcker mit rund sechs Hektar Fläche werden bald in mehreren neuen Gebäuden und dem „Lebensraum Campus“ als Zentrum, Angebote für Familien, Menschen mit Behinderung und Senioren offeriert. Für Senioren gibt es bereits Aktivitäten in den „Lebensräumen für Jung und Alt“ der Stiftung Liebenau, Geflüchtete werden durch einen sehr regen Helferkreis unterstützt. Daher legt Annika Taube ihr Augenmerk besonders auf die Bürger mit einer Einschränkung. Denn zu den bereits in der Gemeinde Lebenden finden ab Juni 2018 weitere 18 Menschen mit einer Behinderung Wohnraum. Das neue Haus dafür wird ebenfalls von der Stiftung Liebenau gebaut, die wichtiger Partner der Gemeinde ist. Projektleiter Bernhard Hösch erklärt zum Engagement in der Gemeinde: „Die neuen Mitbürger erhalten hier nicht nur guten und modernen Wohnraum, sondern auch ein inklusives soziales Umfeld.“

Aber natürlich sollen möglichst alle ihren Platz im Gemeindeleben bekommen. „Der Gemeinderat hat meine Aufgabe sehr weitgefasst“, erklärt die Inklusionsbeauftragte. Weitgefasst heißt zum Beispiel auch, dass Neubürger, von denen es in der Gemeinde mit einem hohen Zuzug viele gibt, in Oberteuringen ankommen, Anschluss und Identität finden. Die Gemeinde gibt dem Thema Inklusion mit der eigens eingestellten Fachkraft ein Gewicht, um sowohl Institutionen als auch die rund 40 Vereine als wichtige Akteure zu erreichen und Bewusstsein in Sachen Inklusion zu schärfen.

Zuerst die Erhebung, dann die Impulse
Zu Beginn ihrer Arbeit hat Annika Taube die Einrichtungen und Vereine in der Gemeinde kennengelernt. Diese Treffen waren wichtig, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Ein späteres offenes Treffen für die Oberteuringer war Initialzündung für diverse Interessengruppen: für Fragen rund um den „Lebensraum Campus“, für Barrierefreiheit, für Eltern mit einem Kind mit Behinderung und zum Thema gesellschaftliche Inklusion.


Annika Taube liefert immer wieder Beispiele: So haben etwa die lokalen Experten für Barrierefreiheit die Gemeinde erkundet. Daraus ergab sich in Abstimmung mit dem engagierten Gemeinderat, dass Bürgersteige im Zentrum und an den zentrumsnahen sozialen Einrichtungen sowie an den Bushaltestellen angepasst werden. In einem weiteren Schritt soll dies auch in den Teilorten geschehen. Mit dem Gewerbeverein hat Annika Taube ebenfalls einen wichtigen Mitstreiter. Ideen kommen aus dessen Reihen, wie etwa Menschen mit Behinderung vor Ort Arbeit zu bieten. Vorbildfunktion hat auch die Gemeindeverwaltung: Aus einer Anregung wurde eine interne Fortbildung für die Mitarbeiter entwickelt, die für den Umgang mit Kunden mit Behinderung sensibilisieren soll.

Aufgabe: Menschen zusammenbringen
Die Beteiligung der Bürger, der Wirtschaft und der Verwaltung ist also Grundlage für gelingende Inklusion. „Ich sehe es als meine Aufgabe, Querverbindungen herzustellen und das Empowerment zu fördern“, fasst Annika Taube zusammen. Es geht um die Befähigung der Bürger und Akteure zur eigenen Verantwortung. Dass dabei Anstöße Weiteres zum Laufen bringen, zeigt das Beispiel des Überlinger Mundmalers Lars Höllerer: Der vom Hals an abwärts gelähmte Künstler malte mit Kindergartenkindern. Die Bilder wurden im Rathaus gezeigt. Der Kulturverein wurde aufmerksam und hat inzwischen das Thema Kunst von Menschen mit Behinderung im Jahresablauf auf die Agenda genommen.

Inklusion braucht Achtsamkeit
Für Annika Taube braucht Inklusion Achtsamkeit. Es gehe darum, eine Kultur zu entwickeln. Dass Inklusion in der Gemeinde Oberteuringen langfristig gelingen kann, steht mit dem regen und aktiven Gemeindeleben und der Inklusionsbeauftragten als Bindeglied außer Frage. „Durch das Engagement in der Gemeinde werden sich auch die neuen Mitbürger schnell zurechtfinden und mit dabei sein“, ist Hösch überzeugt.

Fach-Kraft Annika Taube: Alle sollen dabei sein


Der Text in Leichter Sprache ist geprüft von der Prüfer-Gruppe der St. Gallus-Hilfe.

 

 

Oberteuringen ist eine Gemeinde im Bodensee-Kreis.
Sie liegt zwischen Friedrichshafen und Ravensburg.
Zurzeit werden hier viele neue Häuser gebaut.

Es gibt dann auch Wohnungen für Menschen mit Behinderung.
In einem Haus können 18 Menschen zusammen-leben.
Für 12 Menschen mit Behinderung gibt es dann auch Arbeit und Förderung.
Die Häuser baut die Stiftung Liebenau

Zusammen leben

In Oberteuringen leben bald sehr viele unter-schiedliche Menschen.
Alle sollen dazu-gehören.
Das ist dem Gemeinde-Rat und dem Bürger-Meister wichtig.

In Oberteuringen setzen sich jetzt schon viele Bürger ehren-amtlich ein.
Wenn sich viele ehren-amtlich einsetzen, ist das gut für:

  • Familien mit Kindern
  • Alte Menschen
  • Menschen, die geflüchtet sind
  • Menschen mit Einschränkung

Wenn diese Menschen bei vielem dabei sind, ist das Inklusion.

Eine Fach-Kraft für Inklusion

In Oberteuringen kümmert sich jemand, dass alle gut zusammen-leben.
Diese Fach-Kraft heißt Annika Taube.
Sie arbeitet seit fast zwei Jahren für die Gemeinde Oberteuringen.
Für Annika Taube ist besonders wichtig:
Auch Menschen mit einer Einschränkung sollen dabei sein.

Am Anfang ihrer Arbeit hat Annika Taube mit
allen Betrieben und Vereinen gesprochen.
Sie haben alle mehr voneinander erfahren.
Jetzt tun sie gemeinsam was für das Zusammen-Leben.

Bürger arbeiten in Gruppen

Annika Taube hat für die Oberteuringer auch ein Treffen gemacht.
Danach haben sich verschiedene Gruppen gebildet.
Zu einer Gruppe gehören auch Menschen mit Einschränkung.
Die Gruppe hat geschaut, ob die Gemeinde barriere-frei ist.
Die Gruppe hat gesagt: Manches muss anders werden.

Der Gemeinde-Rat hat deshalb zum Beispiel beschlossen bald
- alle Geh-Wege der Dorf-Mitte eben zu machen
- Geh-Wege an den Bus-Halte-Stellen eben zu machen.
Menschen im Roll-Stuhl erreichen Gebäude dann besser.
Es ist dann leichter mit dem Bus zu fahren.

Viele gute Ideen

Viele in Oberteuringen haben gute Ideen.
Zum Beispiel der Gewerbe-Verein.
In Oberteuringen gibt es einige Betriebe und Geschäfte.
Der Verein möchte, dass Menschen mit Einschränkung dort arbeiten.

Auch den Mitarbeitern der Gemeinde ist Inklusion wichtig.
Bald machen sie eine Fort-Bildung.
Dabei lernen sie, wie sie mit Menschen mit Einschränkung umgehen.

Noch hat sie ihr Büro im Rathaus: Nach Fertigstellung des „Lebensraum Campus“ wird Annika Taube dorthin umziehen.
Annika Taube, Inklusionsbeauftragte und Bernhard Hösch, Unternehmensentwicklung und Projektmanagement Liebenau Teilhabe, im „Lebensraum Campus“. Im Hintergrund entsteht Wohnraum für 18 Menschen mit Behinderung.