Gastfamilie für Mutter und Kind

Martina Breske hat eine Lernbehinderung. Und einen fast siebenjährigen Sohn. Die verantwortungsvolle Aufgabe seiner Erziehung kann sie nicht alleine bewältigen. Seit über sechs Jahren leben die beiden deshalb in der Einliegerwohnung der Familie Pfender. Die Familie Pfender unterstützt die alleinerziehende Mutter bei der Bewältigung ihrer Aufgabe. Familie Pfender wiederum wird unterstützt vom Fachdienst Betreutes Wohnen in Familien (BWF) der Liebenau Teilhabe.

 

Martina Breske ist gelernte hauswirtschaftliche Helferin. Ihre Ausbildung hat die 30-Jährige am Berufsbildungswerk Adolf Aich der Stiftung Liebenau gemacht. Weil ihr Sohn Jannick bis zum Nachmittag in der Schule ist, kann sie halbtags arbeiten. In den Ferien müssen allerdings zusätzliche Hilfen organisiert werden, zum Beispiel durch den Familienunterstützenden Dienst der Liebenau Teilhabe. Diese Organisation übernimmt Regine van Aken, Mitarbeiterin des BWF in Ravensburg, die seit Anfang an mit der Begleitung betraut ist. Früher habe die Mutter stärker die Nähe zur Gastfamilie gesucht, mit der Zeit aber sei sie eigenständiger und sicherer geworden.
Die besondere Herausforderung für die Gastfamilie in diesem Fall: Jannick lebt ebenfalls mit Einschränkungen. Er hat eine seltene Form der Epilepsie, die bei Kleinkindern auftritt und mehrfache Behinderungen mit sich bringt: Er ist nicht altersgemäß entwickelt, er spricht nicht und kann fast nichts sehen. Regine van Aken: „Dass das Kind auch eine Einschränkung hat, ist eher die Ausnahme. Von den elf Eltern mit einer Einschränkung, die wir bisher begleiten, ist er das erste Kind mit Behinderung.“

Unterstützung im Alltag
Die Unterstützung der jungen Mutter in organisatorischen Dingen und bei pädagogischen Fragen ist trotz der zunehmenden Eigenständigkeit nach wie vor nötig. Birgit Pfender gibt ihr immer wieder Anregungen, wie sie sich mit ihrem Sohn beschäftigen kann. Sie begleitet Jannick und seine Mutter zu den vielen notwendigen Arztterminen und ist stark in den Kontakt zur Schule eingebunden. Die enge Begleitung durch die Gastmutter hat auch an anderer Stelle gefruchtet. „Ich bin froh, dass Jannick inzwischen laufen kann, woran vorher niemand glaubte.“

In der eigenen Familie leben können

Begleitete Elternschaft bietet Müttern oder Eltern mit einer Behinderung die Chance mit ihrem eigenen Kind zusammenzuleben und es selbst großzuziehen. Die Gastfamilien sind vor allem bei der Erziehung des Kindes eine wichtige Stütze. Durch ihren Einsatz wird den Kindern eine altersgerechte Entwicklung gesichert.

Das Angebot des Betreuten Wohnen in Gastfamilien der Liebenau Teilhabe gibt es für Mütter oder Eltern mit Einschränkung in mehreren Landkreisen und wird laufend ausgebaut. In Singen, Landkreis Konstanz, stehen ab Ende 2018 auch drei neue Wohnungen für Mütter mit einer Behinderung zur Verfügung. Sie werden dort ebenfalls von den Fachkräften des BWF begleitet.

Im Rahmen der Begleiteten Elternschaft lebt Martina Breske (rechts) seit sechs Jahren mit ihrem Sohn Jannick bei Familie Pfender. Birgit Pfender (links) unterstützt die junge Mutter bei ihrem im Alltag mit Kind.