Das Porträt
David Rappenecker ist Bürgermentor

 

Dialogstifter, Brückenbauer und Vernetzer gesucht: Die Stadt Villingen-Schwenningen hat engagierte Menschen aus ihrer Gemeinde als Bürgermentoren geschult. David Rappenecker war einer von ihnen. Er lebt dort in einer Wohngemeinschaft der St. Gallus-Hilfe.

„Das wäre doch was für Dich!“ Über Barbara Reichstein, Leitung Arbeit und Bildung der St. Gallus-Hilfe im Schwarzwald-Baar-Kreis, hatte David Rappenecker von dem Kurs erfahren, und schnell war das Interesse des 28-Jährigen geweckt: „So etwas wollte ich eigentlich schon immer machen.“ Selbst Ideen entwickeln, andere für bürgerschaftliches Engagement begeistern, Netzwerke bilden und so im Sinne des Gemeinwohls an einem guten Miteinander mitarbeiten: Das sind die Ziele dieses Mentoren-Programmes für Ehrenamtliche.

Rüstzeug fürs bürgerschaftliche Engagement
Im Kurs traf Rappenecker auf eine bunte Gruppe von Leuten aus ganz verschiedenen Altersgruppen, mit denen er sich gut verstanden habe. Auch Kursleiterin Natacha Wolf habe ihn immer unterstützt. Auf dem Programm standen Themen wie Projektentwicklung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – und jede Menge praktische Tipps. „Wir haben erfahren, welche Projekte es schon gibt und wie man sich einbringen kann“, erzählt Rappenecker. „Wir haben Konflikttraining gemacht, und auch um Geldfragen ging es.“ Sein Fazit fällt rundum positiv aus. Die Mühe habe sich gelohnt. „Es war ein Glücksfall für mich.“

Bis zum Abschluss durchgehalten
Rund vier Monate lang dauerte die berufsbegleitende Fortbildung. Und David Rappenecker ist stolz darauf, dass er durchgehalten hat. Zum Abschluss gab’s eine Feier, aus den Händen von Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon eine Urkunde – und für die Brieftasche einen Stapel schicker Visitenkarten: „David Rappenecker – Bürgermentor“, heißt es da ganz offiziell, „Hochstraße 1-3, Villingen“.

Umzug in eigenes Appartement steht bevor
Dort lebt der 28-jährige im Haus der St. Gallus-Hilfe im „Betreuten Wohnen plus“ und hat ein Zimmer in einer Vierer-WG. Noch. Denn im Januar 2016 zieht er innerhalb des Gebäudes um – nach oben in ein Einzel-Appartement. „Ein gutes Gefühl“, so Rappenecker. Und ein weiterer Schritt für ihn hin zu noch mehr Selbstständigkeit – wobei er bei Bedarf natürlich weiterhin auf Unterstützung zählen kann: „Wir sind als Ansprechpartner immer da“, betont sein Bezugsbetreuer Simon Schöttle. Der hatte Rappeneckers Fortbildungspläne übrigens von Anfang an begrüßt: „Das passt gut zu ihm“, findet Schöttle. „David ist ein Typ, der auf Menschen zugehen und sich gut artikulieren kann.“ Von daher sei er der richtige Kandidat für die Bürgermentoren-Schulung gewesen.

Flüchtlingshilfe reizt ihn
Das Handwerkszeug eines Bürgermentors hat er sich also angeeignet. Nun überlegt er, in welcher Sache er sich künftig engagieren will. Flüchtlingshilfe – das würde ihn reizen. Warum? Weil es zum Beispiel so wichtig sei, Aufklärung zu leisten. „Die ganzen Vorurteile gegenüber Flüchtlingen stören mich. Das finde ich nicht in Ordnung.“ Und weil für ihn jeder Mensch ungeachtet seiner Nationalität und Herkunft die gleichen Rechte habe. Sein Wunsch an die Politik: Weniger reden, mehr machen. „Ich möchte dabei auch ein Zeichen setzen gegen Rassismus.“ Und sonst? Inklusion ist auch so ein Thema, das ihn beschäftigt. „Da gibt es immer noch Punkte, wo ich denke: Das kann man besser machen.“

Knappe Freizeit
Wie sein Engagement konkret aussehen wird, das will er sich in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Es müsse zu ihm passen und sich auch mit seinem Alltag vereinbaren lassen. Schließlich ist David Rappenecker beruflich voll eingespannt, arbeitet als Pflegehelfer an einem ausgelagerten WfbM-Platz in der Villinger Seniorentagesstätte „Lebensgarten“. Neben den Schichten bleibt da nicht allzu viel Zeit übrig. Aber die will der frisch gebackene Bürgermentor sinnvoll nutzen und „seine“ Gemeinde aktiv mitgestalten. Für Simon Schöttle ist klar: „David wird etwas finden. Oder etwas findet ihn. Und da wird er sich dann einklinken.“

„Ich fühle mich gut in Villingen“: Deshalb möchte sich David Rappenecker in der Schwarzwald-Baar-Stadt für das Gemeinwesen engagieren.