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12.07.2011

St. Gallus-Hilfe verspricht: „Alle werden einen Wohn- und Arbeitsplatz haben“

BODNEGG-ROSENHARZ – Vor einer umfassenden Neuausrichtung steht die Komplexeinrichtung für Menschen mit Behinderung in Rosenharz, Gemeinde Bodnegg: Innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre will die Stiftung Liebenau mit ihrer Tochtergesellschaft St. Gallus-Hilfe dort mehrere Gebäude abreißen lassen, andere renovieren und einige ganz neu bauen. Hintergrund sind die von der Politik geforderte bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Leben in der Gesellschaft und die damit verbundene verstärkte Regionalisierung von Wohn- und Betreuungsangeboten. Was auf die betroffenen Bewohner und deren Angehörige, die Mitarbeiter der Einrichtung, aber auch die Nachbarn in der Gemeinde zukommt, darüber hat die St. Gallus-Hilfe bei einer Veranstaltung zum Thema Ortsentwicklung in Rosenharz informiert.

Das Interesse ist groß
Groß war das Interesse, riesig der Andrang an diesem glutheißen Samstagnachmittag. Die Sitzgelegenheiten in der Mehrzweckhalle reichten nicht aus, immer wieder mussten neue Stühle herbeigeschafft werden. Wie es um ihre Zukunft aussieht, das beschäftigt die Menschen, macht ihnen auch Sorgen. „Ich will hier bleiben!“, stellt ein Bewohner gleich zu Beginn klar.

Christine Beck, Bereichsleitung Wohnen der St. Gallus-Hilfe im Landkreis Ravensburg, versuchte, die Ängste zu zerstreuen: „Alle Menschen werden einen Wohn- und Arbeitsplatz haben.“ In einfacher Sprache schilderte sie zusammen mit Stefan Fricker, Bereichsleiter Arbeit und Bildung, die Pläne und den zeitlichen Ablauf der Umgestaltung.

Wohn- und Pflegeheim entsteht

Erster Schritt ist demnach der Neubau eines Wohn- und Pflegeheims, der im August begonnen werden soll. Der Spatenstich fand bereits Anfang Juni statt, das Gebäude entsteht auf dem bisherigen Sportplatz in Rosenharz und bietet 46 Menschen ein Zuhause – auf zwei Stockwerken, in vier Wohngemeinschaften und ausschließlich in Einzelzimmern, wie es die neuen gesetzlichen Vorgaben fordern. 5,1 Millionen Euro sind für den Bau veranschlagt, Bezugstermin soll August 2012 sein.

Ab 2012 wird saniert

Vom Frühjahr 2012 an steht dann die Sanierung der Häuser St. Vinzenz auf dem Plan. 66 Plätze und zwei Kurzzeitplätze sollen dort entstehen, in vier Betreuungseinheiten und 18 Appartements im Dachgeschoss. Während des Umbaus, der rund zwei Jahre dauern wird, ziehen die Bewohner sukzessive ins sogenannte Übergangswohnen. Dieser Neubau mit sechs Wohnungen und acht Appartements für insgesamt 28 Menschen soll Anfang 2012 bezogen werden können.

Hochmoderner Förder- und Betreuungsbereich

Gravierende Veränderungen gibt es im Förder- und Betreuungsbereich (FuB). Stefan Fricker stellte die Pläne vor, die einen „ebenerdigen und hochmodernen Förder- und Betreuungsbereich“ für 48 Menschen vorsehen und zudem der Seniorenbeschäftigung Platz bieten. Baubeginn soll Ende 2013, Anfang 2014 sein.

Dass für diesen Neubau die in die Jahre gekommenen Häuser Walburga, St. Gertrudis, Ulrika Nisch  und Bruder Konrad abgerissen werden, erfüllt einige der Bewohner sichtlich mit Sorge. „Wir sind uns bewusst“, sagte Christine Beck dazu, „dass wir damit viel auslösen bei den Menschen, die dort leben und arbeiten.“ Aber die betreffenden Häuser seien „nicht mehr zukunfts- und konkurrenzfähig“. Sie versprach zudem, alle Betroffenen in die Entscheidungen einzubeziehen.

Teilhabeorientiertes Leben ist das Ziel

Abriss, Neubau, Umbau und Sanierung: Es tut sich viel in den kommenden Jahren in Rosenharz. Dass am Ende eine Verringerung der Bewohnerzahl von derzeit 250 auf 150 stehen wird, begründete Christine Beck mit der umzusetzenden inklusiven Lebensform und einem teilhabeorientierten Leben von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. Die St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau sucht deshalb weitere gemeindeintegrierte Wohnmöglichkeiten im Landkreis Ravensburg – etwa in Bodnegg, in Grünkraut und im Schussental.

In Bad Waldsee entsteht dezentrales Wohnhaus

Ganz konkrete Pläne dazu gibt es bereits in Bad Waldsee: In der Nähe des Thermalbads soll ein Wohnhaus für 24 Menschen entstehen, kleinteilig, mit vier Wohnungen für je fünf Bewohner und vier Einzelappartements. Auch ein Förder- und Betreuungsbereich soll dabei sein, und begonnen wird, die Förderzusage vorausgesetzt, im Jahr 2012.

Für Nadja Arnold ist ein Umzug kein Thema. Die junge Frau hat sich am Samstag bereits intensiv in die ausgehängten Pläne vertieft und ihr Wunschappartement im umgebauten Haus St. Vinzenz entdeckt. Im Dachgeschoss möchte sie wohnen, ganz außen, „in einem Einzelzimmer“, und die Freundin gleich nebenan. Die zuständige Heimleitung hat sich den Wunsch notiert.

 


 

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Ruth Rothermel, Heimleitung von St. Vinzenz, berät die junge Frau.

„Hier möchte ich wohnen!“ Nadja Arnold hat sich auf dem Plan bereits ihr Wunschappartement ausgesucht.

Christine Beck, Bereichsleitung Wohnen der St. Gallus-Hilfe, und Stefan Fricker, Bereichsleiter Arbeit und Bildung präsentieren die Pläne für Rosenharz im Jahr 2020.