Sie sind hier:
17.11.2011

Gemeinderat Meckenbeuren tagte im Liebenauer Schloss

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Eine ganz besondere Gemeinderatssitzung fand am 16. November im Liebenauer Schloss statt. Bürgermeister Andreas Schmid und Gemeinderäte aus Meckenbeuren trafen sich mit Werkstatt- und Heimbeiräten der St. Gallus-Hilfe, um gemeinsam ihre Wünsche und Anliegen unter die Lupe zu nehmen. Der Abend war geprägt von großer Offenheit und vielen positiven Signalen.


Es geht darum, sich als Bürger von Meckenbeuren zu fühlen

Die Stiftung Liebenau ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber der Gemeinde Meckenbeuren, in dem Teilort leben außerdem mehr als 300 Menschen. Viele weitere pendeln täglich zur Arbeit in der Gallus-Werkstatt. "Ein herzliches Willkommen im Namen der Werkstatt- und Heimbeiräte", begrüßte Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe, Bürgermeister Andreas Schmid und die Gemeinderäte aus Meckenbeuren. Vor der Sitzung machten sie sich zunächst ein Bild von den Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung in Liebenau und schauten sich eine Wohngruppe, die Werkstatt sowie den Förder- und Betreuungsbereich an. 

Wunsch nach besseren Busverbindungen

Belange und Bedürfnisse der Liebenauer Bürger ernsthaft aufnehmen und gemeinsam nach Lösungen schauen, lautete das erklärte Ziel der öffentlichen Gemeinderatssitzung im Liebenauer Schloss. Ihr voraus ging im April ein Treffen der Heim- und Werkstatträte mit Bürgermeister Schmid, der die gemeinsame Sitzung in Liebenau angeregt hat. Heimbeirat Roland Leibach dankte fürs Kommen und überreichte Schmid die Ergebnisse einer Umfrage zu den Busverbindungen zwischen Liebenau und Meckenbeuren. 

Und schon war man mitten im Thema. "Wir wünschen uns, dass die Busse öfter fahren, auch abends oder am Wochenende", fasste Leibach zusammen. Er könne sich gut einen Rufbus vorstellen, der von Hegenberg über Liebenau nach Meckenbeuren fahre, stieg Fritz Weber (CDU) in die Diskussion ein. Der Wunsch der Liebenauer nach mehr Mobilität war für die Räte aller Fraktionen nachvollziehbar. Aber reicht ein Zeittakt von zwei oder drei Stunden? "So lange dauert ein Einkauf oder der Besuch beim Frisör nicht", gab Gerlinde Wiencirz (BUS) zu bedenken und regte an, Busverbindungen zum Ravensburger Spieleland einzubeziehen. Nun werde die Umfrage ausgewertet, um dann zu schauen, was sich umsetzen lasse, sagte der Bürgermeister.

Die Welt in ihrer Buntheit wahrnehmen

Heimbeirätin Anneliese Weihersbach führte zum nächsten Thema: Wohnen in der Gemeinde. "Unser Wunsch sind noch mehr Wohnungen für Menschen mit Behinderung in Meckenbeuren", sagte sie und Gallus-Geschäftsführer Jörg Munk ergänzte, wie schwierig es sei, barrierefreien Wohnraum zu finden. "Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen mit Behinderung in Meckenbeuren wohnen würden", nahm Helga Brauer (SPD) den Ball auf. Die Wünsche in Sachen Wohnen sollten jedoch direkt in Liebenau geäußert werden. Brauer regte an, auch zu diesem Thema eine Umfrage unter den Bewohnern zu machen. 

"Wir sind dankbar für dieses Signal, das ist nicht selbstverständlich", sagte Prälat Michael F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau. Auch die Stiftung wolle sich öffnen und weg vom "Anstaltscharakter". So würde Brock zum Beispiel öffentliche Wege durch das Stiftungsgelände begrüßen. "Man kann uns jederzeit besuchen" Markus Müller (CDU) sprach von einer Welt, die menschlicher werde, wenn sie in ihrer Buntheit wahrgenommen werde. "Wir sollten als Gemeinde nicht nur in Sachen Elektromobilität, sondern auch bei gesellschaftlichen Entwicklungen innovativ sein", regte Müller an. Bürgermeister Andreas Schmid fügte hinzu, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht und sensibel darauf geachtet werden sollte, ältere und behinderte Menschen mitzunehmen.

Auch Sprache kann eine Barriere sein

Beim Thema Barrierefreiheit ging es den Heim- und Werkstatträten nicht nur um Bordsteinkanten und Aufzüge, sondern auch um Gemeindenachrichten, Hinweisschilder und Speisekarten. Leichte Sprache, langsam, verständlich und ohne Fremdworte seien ein weiterer Wunsch. "Das finde ich richtig gut", sagte Anette Kramer (FW). "Das lässt sich sicher schneller umsetzen als zusätzliche Busverbindungen und bedeutet nichts desto Trotz einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit und Freiheit." Gunther Burger (FW) regte an, mehr Piktogramme einzusetzen und Gerlinde Wiencirz schlug vor, den Liebenauern eine halbe oder eine Seite im  Gemeindeblatt zur Verfügung zu stellen, auf der sie berichten können. "Auch das könnte unser Miteinander alltäglicher und selbstverständlicher machen."

Klares Ja zu gleichen Rechten

Das Stichwort Teilhabe mit seinen Aspekten von Wohnen, Mobilität und Barrierefreiheit fasste Ruth Hofmann, Diplom-Pädagogin und Vertrauensperson des Heimbeirats, in einem Satz zusammen: "Es geht darum, sich als Bürger von Meckenbeuren zu fühlen." Ein klares Ja quer durch alle Fraktionen erhielt Anneliese Weihersbach auf ihre Frage, ob die Gemeinderäte glauben, dass Menschen mit Behinderung dieselben Rechte haben. "Es ist gut und richtig, dass man das heute so sieht", unterstrich Helga Brauer. Das Ziel müsse sein, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen und weniger über Rechte, denn über den Umgang miteinander zu sprechen, ergänzte Markus Müller. "Es geht um Solidarität und Verantwortung."

Auch Arbeit gehört zur Teilhabe

Ebenfalls auf der Agenda stand das Thema Arbeit. "Gibt es Arbeitsplätze für uns in der Gemeindeverwaltung oder im Bauhof? Gibt es Aufträge, die wir hier in Liebenau in den Werkstätten machen können?", fragte Werkstatträtin Inge Neuhäusler die Gemeinderäte. "Das wäre die logische Konsequenz auf unsere vorherigen Überlegungen", entgegnete Anette Kramer. Zur Teilhabe gehöre auch, miteinander zu arbeiten. Fritz Weber (CDU) nannte den Grünlandbereich und Winterdienst als mögliche Arbeitsbereiche, über die man ins Gespräch kommen könne. 

Eine Bereicherung für jede Kommune

Häufig herrsche der Eindruck, dass Menschen mit Behinderung etwas wollen, sagte Michael F. Brock. In seinen sieben Monaten in der Stiftung Liebenau habe er jedoch erfahren, dass sie auch sehr viel zu geben haben, zum Beispiel Emotionalität. "Ich glaube, dass diese Menschen eine Bereicherung für jede Kommune sind", so Brock. Ziel müsse der weitere Austausch und ein gemeinsam gestalteter Alltag sein, unterstrich Bürgermeister Schmid. "Wir haben heute ein paar Augen geöffnet bekommen."

 

 


Kontakt:
Teamwork Kommunikation und Medien GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon 07542 10-1181 
Telefax 07542 10-1117
info@teamwork-kommunikation.de
http://www.teamwork-kommunikation.de/

Gemeinsame Sitzung im Liebenauer Schloss

Der Gemeinderat Meckenbeuren traf sich mit Heim- und Werkstatträten der St. Gallus-Hilfe zur gemeinsamen Sitzung im Liebenauer Schloss.

Bürgermeister Andreas Schmid mit Prälat Michael F. Brock (links)und Roland Leibach (rechts)

Roland Leibach (rechts) überreichte gemeinsam mit Prälat Michael F. Brock (links), Vorstand der Stiftung Liebenau, die Umfrageergebnisse zum Thema Busverbindungen an Meckenbeurens Bürgermeister Andreas Schmid.

Entspannter Austausch nach dem offiziellen Teil (von links): Heimbeirätin Anneliese Weihersbach, Gemeinderätin Anette Kramer, Werkstatträtin Inge Neuhäusler und Gemeinderätin Gerlinde Wiencirz im Gespräch.

Entspannter Austausch nach dem offiziellen Teil (von links): Heimbeirätin Anneliese Weihersbach, Gemeinderätin Anette Kramer, Werkstatträtin Inge Neuhäusler und Gemeinderätin Gerlinde Wiencirz im Gespräch.