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08.12.2011

Guter Schritt in Richtung Inklusion

MARKDORF - Seit Beginn des Jahres betreiben die St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau und die Sprungbrett-Werkstätten eine gemeinsame Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) in Markdorf. Die Kooperation war ungewöhnlich, denn Menschen mit Behinderung beziehungsweise psychischer Erkrankung arbeiten in der Regel in getrennten Einrichtungen. Nach den Erfahrungen der ersten acht Monate erweist sich diese in Baden-Württemberg einzigartige Kooperation jedoch als gelungen. Bei einem Besuch im Dezember machte sich Andreas Köster, Sozialdezernent des Landratsamtes Bodenseekreis, ein Bild von der Arbeit im Schießstattweg.


Modell-Werkstatt in Markdorf zieht positive Bilanz

"Am Anfang gab es Bedenken, ob eine Zusammenarbeit auf so engem Raum überhaupt möglich ist", erinnert sich Wolfgang Reck, Leiter des Arbeitsbereiches Liebenau der St. Gallus-Hilfe, "und auch große Berührungsängste zwischen den Menschen mit geistiger Behinderung und den Menschen mit psychischen Erkrankungen." Anfangs habe man sogar an eine Trennwand im Raum gedacht. Heute stehen nur ein paar Paletten voller Kartons in der Mitte der Werkstatt. Im rechten Teil des Raumes arbeiten 17 Beschäftigte von Sprungbrett, im linken Bereich 13 Beschäftigte der St. Gallus-Hilfe. Auch für den Geschäftsführer der Sprungbrett-Werkstätten, Horst Stelzel, ist die Zusammenarbeit ein Gewinn. "Spätestens beim gemeinsamen Kicker-Spielen in den Pausen verflog die anfängliche Scheu schnell. Heute wickeln wir viele Aufträge gemeinsam ab."

Aktive Teilhabe

Die Werkstatt ist bereits gut belegt - ein Zeichen für die Attraktivität des Angebotes. Auf Nachfrage von Andreas Köster zeigten sich die Mitarbeiter zufrieden, sie arbeiten gerne hier. "Jeder Mensch im Bodenseekreis hat ein Anrecht auf eine sinnvolle Beschäftigung", so der Sozialdezernent. "Die meisten Menschen hier identifizieren sich mit ihrer Arbeit, denn sie können aktiv teilhaben. Das ist von großer Bedeutung, denn Menschen mit Behinderung haben die gleichen Bedürfnisstrukturen wie Menschen ohne Handicap", erläutert er während seines Rundgangs durch einzelne Arbeitsstationen. Er bezeichnete das Modellprojekt als "einen guten Schritt in Richtung Inklusion". 

Modell mit Zukunft

Bisher lassen einige regionale Unternehmen die Markdorfer Werkstatt für sich arbeiten, so zum Beispiel Vaude, Ziegler, Rafi Eltec oder Wagner Group. Für die Zukunft wünschen sich beide Kooperationspartner, dass Wirtschaft und Industrie mehr Notiz von Einrichtungen wie der ihren nehmen. "In den Köpfen der Firmen ist noch immer nicht verankert, dass wir ein breites Angebot abdecken können", erläutert Wolfgang Reck. Denn in der Werkstatt wird nicht nur verpackt. Das Aufgabenspektrum reicht von der Bearbeitung von Einzelstücken für die Luft- und Raumfahrttechnik über Metallverarbeitung bis hin zur Montage von Displays für Wärmemengenzähler, die sehr hohen Qualitätsanforderungen unterliegen. Diese große Bandbreite wurde gerade durch die Kooperation der beiden Institutionen möglich – auch das macht die Werkstatt zu einem Modell mit Zukunft.

 


 

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Gäste in der Markdorfer Werkstatt

Gäste in der Markdorfer Werkstatt: (v.l.) Horst Stelzel, Geschäftsführer Sprungbrett-Werkstätten; Stefan Fricker, Leiter Arbeit und Bildung St.-Gallus-Hilfe; Wolfgang Reck, Leiter des Arbeitsbereiches Liebenau der St. Gallus-Hilfe; Andreas Köster, Sozialdezernent des Landratsamtes Bodenseekreis.

Beim Kicker-Spiel

Beim Kicker-Spiel gegen eine Mitarbeiterin der Sprungbrett-Werkstätten schlägt sich Andreas Köster, Sozialdezernent des Landratsamtes Bodenseekreis wacker mit einem 1:1