Sie sind hier:
16.12.2011

Betreutes Wohnen in Familien für Kinder mit Behinderung

RAVENSBURG/BAD WURZACH – Liebevoll zugewandte Bezugspersonen sind für die Entwicklung von Kindern notwendige Voraussetzung. Aber nicht jedes Kind hat das Glück, Nestwärme oder adäquate Versorgung in seiner leiblichen Familie zu erfahren. Dies gilt in besonderem Maße für Kinder mit Behinderung, die viel häufiger nicht bei ihren Eltern aufwachsen können. Alternative kann das Leben in einer Pflegefamilie sein. Michael Reiser vom Betreuten Wohnen in Familien (BWF) der St. Gallus-Hilfe begleitet den zweijährigen Leon und seine Pflegefamilie in Bad Wurzach.


Nestwärme und emotionale Nähe für Leon

Leon hat in seinem kurzen Leben schon einige Stationen hinter sich. Gehirnfehlbildung, Epilepsie, Spastik und eine tiefgreifende Entwicklungsstörung lauten die Diagnosen. Ein Jahr lebte Leon bei seiner Mutter. Nach zwei weiteren Stationen kam Leon im März dieses Jahres zur Familie Fritsch, die in der Nähe von Bad Wurzach lebt. "Nachdem Leon bereits einen mehrfachen Wechsel der Bezugspersonen in der besonders bindungssensiblen Phase der ersten Lebensjahre erlebt hat, galt es zunächst, für ihn ein Umfeld der Stabilität und der Verlässlichkeit zu schaffen, damit er Vertrauen in die Welt und in die ihn umgebenden Menschen entwickeln kann", erklärt Michael Reiser vom BWF in Ravensburg, einem Bereich der Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe. Für den Sozialpädagogen ist das Wichtigste, dass Leon nun ein Zuhause hat, in dem er dauerhaft die notwendige familiäre Nestwärme erfährt. 

Bedürfnisse rechtzeitig erkennen

In der Anfangszeit war Michael Reiser vom BWF in Ravensburg wöchentlich zu Besuch bei Leon und seiner Pflegefamilie. Es galt therapeutische und medizinische Hilfen für Leon zu organisieren, eine Pflegestufe zu beantragen sowie Frühförderung in die Wege zu leiten. Da der Junge weder frei sitzen noch gehen kann, braucht er entsprechende Hilfsmittel. "Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, Leons Bedürfnisse rechtzeitig zu erkennen und die entsprechende Förderung zu organisieren", erläutert Michael Reiser. Inzwischen hat sich ein etwa 14-tägiger Besuchsrhythmus eingependelt. Nach wie vor gebe es bei Leon immer wieder medizinische und therapeutische Fragen zu klären. 

Kontinuierliche Beratung und Begleitung

Die Mitarbeiter des Fachdienstes stehen aber grundsätzlich jederzeit als Ansprechpartner für die Pflegefamilie zur Verfügung. Die durchgehende Beratung und Unterstützung der Pflegefamilien ist ein wichtiges Merkmal des Betreuten Wohnens in Familien. "Das kann die Vermittlung von ergänzenden, fachspezifischen Hilfen wie im Fall von Leon sein, aber auch Beratung für den Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen. Wichtig ist uns, dass die Familie weiß, dass wir bei allen Fragen für sie da sind", erklärt der Sozialpädagoge, der selbst Vater von zwei Kindern ist. 

Beziehung auf Zeit 

Realität ist, dass ein Pflegekind wieder zurück in seine Herkunftsfamilie kommt, wenn die leiblichen Eltern wieder in der Lage sind, ihr Kind angemessen zu versorgen. Dass die Aufnahme eines Pflegekindes eine Beziehung auf Zeit sein kann, müsse den Pflegeeltern bewusst sein. Für Leon ist jetzt aber erst mal wichtig, dass er seinen Platz gefunden hat. "Es ist schön zu sehen, dass es der Junge in einem intakten und liebevollen familiären Umfeld aufwachsen kann", sagt Michael Reiser.

Info:

Bis 2009 war im Gesetz nicht vorgesehen, dass Kinder mit Behinderung in Pflegefamilien leben können. Wenn sie nicht bei den leiblichen Eltern aufwachsen konnten, waren sie vorwiegend in stationären Einrichtungen aufgenommen. Mit der Ergänzung des § 54 Abs. 3 SGB XII wurde eine rechtliche Grundlage für die Unterbringung von Kindern mit Behinderung in Pflegefamilien geschaffen. Pflegefamilien können durch das Erleben von verbindlichen Beziehungen und einer intakten Familie Erfahrungen bieten, die für die spätere Lebensbewältigung in familiären oder zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig sind. 

Kontakt: 
 Betreutes Wohnen in Familien (BWF)
 Friedhofstraße 11
 88212 Ravensburg
 Telefon 0751 977123-0
 bwf-ravensburg@gallus-hilfe.de

 

 


 

Kontakt:
Teamwork Kommunikation und Medien GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon 07542 10-1181 
Telefax 07542 10-1117
info@teamwork-kommunikation.de
http://www.teamwork-kommunikation.de/

Leon bei seiner Pflegefamilie Fritsch

Leon fühlt sich im Kreise seiner Pflegefamilie Fritsch sehr wohl.