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03.07.2012

25 Jahre Ambulant Betreutes Wohnen der St. Gallus-Hilfe

FRIEDRICHSHAFEN – Die Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe, eine Gesellschaft der Stiftung Liebenau, feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: Vor 25 Jahren zogen die ersten Menschen mit Behinderung aus dem Heimbereich in eigene Wohnungen. Heute haben im Bodenseekreis rund 100 Menschen als Lebensform das Ambulant Betreute Wohnen (ABW) gewählt. "Man kann durchaus von einem Erfolgsmodell sprechen", sagt Franz Walter, Leiter der Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe.


Vom Modellversuch zum selbstbestimmten Leben

Franz Walter kann sich noch gut an die Anfangszeit erinnern: "Vor 25 Jahren kam der Gedanke auf, dass Menschen mit Behinderung auch ambulant unterstützt werden können." Vier Männer und vier Frauen aus dem Heimbereich der St. Gallus-Hilfe in Rosenharz zogen in zwei Wohnungen ins benachbarte Bodnegg – ein Modellversuch, der zunächst auf drei Jahre angelegt war. "Die Menschen mit Behinderung wollten Neues ausprobieren und waren sehr mutig", so Franz Walter. Was für das ABW spricht: Keiner der Pioniere hat den Weg zurück in den Heimbereich gewählt.

100 Klienten im Bodenseekreis

Dieter Stokowy gehört zu den Mitarbeitern der ersten Stunden im ABW am Standort Friedrichshafen. "Im Jahr 1994 zogen sieben Personen in die Hochstraße, wo auch gleichzeitig unser Büro war", erzählt die Fachkraft, die seit 30 Jahren bei der St. Gallus-Hilfe tätig ist. Seit 2005 befindet sich das Büro der Ambulanten Dienste am Franziskusplatz, weitere Büros sind in Tettnang und Salem. Aktuell werden im Bodenseekreis rund 100 Menschen mit Behinderung von zehn Mitarbeitern ambulant begleitet, davon 42 in Friedrichshafen. Sie leben alleine oder als Paar, nur ganz wenige in Wohngemeinschaften.

Die eigenen Lebensvorstellungen verwirklichen

Die Menschen erledigen in der Stadt ihre täglichen Besorgungen, arbeiten oder sind bereits in Rente, besuchen Volkshochschulkurse und die Bibliothek, pflegen Kontakte und engagieren sich in Vereinen. "Das ABW gibt die Möglichkeit, die eigenen Lebensvorstellungen zu verwirklichen", sagt Dieter Stokowy. Verändert hat sich die Klientel. "Heute begleiten wir mehr jüngere Menschen, die ihre eigenen Vorstellungen einbringen, aber auch vermehrt Menschen mit seelischer Behinderung und psychosozialen Problemen." Das ABW hat die Rolle eines Dienstleisters. "Das heißt, unsere Aufgabe besteht darin, die Menschen dabei zu unterstützen, ihre Lebenswünsche zu verwirklichen", erklärt Stokowy. Bei der täglichen Arbeit gehe es vermehrt darum, mit dem Umfeld und dem Sozialraum des Klienten zu arbeiten und entsprechende Teilhabechancen zu fördern, ergänzt Franz Walter.

Hilfe-Mix orientiert sich am individuellen Bedarf

"Im Gegensatz zur Anfangszeit wird die Situation von Menschen mit Behinderung heute in der Gesellschaft differenzierter wahrgenommen", so die Erfahrung von Franz Walter und Dieter Stokowy. Häufig seien sie gern gesehene Nachbarn und ihre direkte, offene Art käme in der Regel gut an. Viele Ängste und gegenseitige Unsicherheiten konnten inzwischen abgebaut werden. "Das ABW fördert Inklusion und soziales Miteinander." Stand vor 25 Jahren die Versorgung der Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt, ist das Ziel heute die Normalisierung der Lebensverhältnisse.

Dies ist kein Widerspruch dazu, dass auch Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf ambulant begleitet werden. Dann sind nicht nur die Fachkräfte der Ambulanten Dienste im Einsatz, sondern zum Beispiel die Sozialstation sowie ehrenamtliche Helfer. "Wir haben häufig einen Hilfe-Mix, der sich immer am persönlichen Bedarf der jeweiligen Person orientiert", erklärt Franz Walter. Jedoch sei es nicht immer einfach, bezahlbaren Wohnraum mit geeigneter Infrastruktur und Sozialanbindung zu finden. "Insbesondere suchen wir Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen", ergänzt Dieter Stowkowy.

 

Info:
Wer das Ambulant Betreute Wohnen (ABW) der St. Gallus-Hilfe näher kennen lernen möchte, hat dazu am kommenden Samstag, 7. Juli von 11 bis circa 16 Uhr beim Franziskusplatzfest in Friedrichshafen Gelegenheit. Das Büro ist geöffnet und die Fachkräfte informieren vor Ort über das Angebot.

 


 

Kontakt:
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Franz Walter (links) und Dieter Stokowy sind von Anfang an für die Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe tätig

Ambulant Betreutes Wohnen ist ein Erfolgsmodell für Menschen mit Behinderung: Franz Walter (links) und Dieter Stokowy sind von Anfang an für die Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe tätig.

Franziskusplatzfest am Samstag, 7. Juli

Im Rahmen des Franziskusplatzfestes am Samstag, 7. Juli von 11 bis circa 16 Uhr stehen Fachkräfte der Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe Interessierten für Informationen zur Verfügung.