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27.08.2012

Kooperationspartner St. Jakobus und St. Gallus-Hilfe bieten vielfältige Arbeit

ROSENHARZ/HASLACH/WANGEN-SCHAUWIES – Arbeit ist mitunter -und dies nicht nur im Hochsommer- schweißtreibend und anstrengend. In erster Linie bedeutet Arbeit aber die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Für Menschen mit einer Behinderung spielt Arbeit daher eine besonders wichtige Rolle. Die Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Von Trägern der Hilfen für Menschen mit Behinderung wird eine Bandbreite an unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) erwartet.


Teil der Gesellschaft sein, durch die eigene Arbeit

In der Region Allgäu-Oberschwaben bieten die Kooperationspartner St. Gallus-Hilfe in Rosenharz sowie im Arbeitsintegrationsprojekt (AIP) in Wangen-Schauwies und die Werkstatt St. Konrad der St. Jakobus-Behindertenhilfe in Haslach eine Vielfalt von Arbeitsmöglichkeiten. Sie reichen von Verpackungs- und Kommissionierungsarbeiten oder Tätigkeiten im Hochregallager bis hin zu hauswirtschaftlichen Aufgaben, Grünlandarbeiten oder Tierpflege.

In einer Serie berichten ein Vater aus der Sicht eines Angehörigen, zwei Werkstattleiter sowie drei Menschen, die unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen und ihren Platz in der Arbeitswelt gefunden haben. Die Arbeit empfinden sie als sinn- und identitätsstiftend, die ihnen eine Tagesstruktur bietet und sie zufrieden macht.

Teresa - Gleich zwei Jobs

Die Familie Godhoff in Waldburg hat drei eigene Kinder und betreute18 Jahre lang eine körperbehinderte Pflegetochter. Eine ihrer Töchter ist 24 Jahre. Die junge Frau mit Down-Syndrom wohnt zu Hause. Seit einiger Zeit arbeitet sie in der Werkstatt in Rosenharz. "Zuvor hat sie schon in der Werkstatt St. Konrad in Haslach Praktika absolviert und im AIP in Wangen-Schauwies und in Rosenharz den Berufsbildungsbereich durchlaufen", schildert Vater Bernd Godhoff. Doch der technische Bereich lag ihr nicht so sehr. Die Arbeit im Grünlandbereich machte ihr zwar Spaß, war aber für die zierliche junge Frau auf die Dauer körperlich zu anstrengend, vor allem als sie chronisch erkrankte.

Heute hat sie in Rosenharz gleich zwei Jobs. Sie übernimmt überwiegend Verpackungsarbeiten. Und einen Tag pro Woche arbeitet sie in der Küche. "Für Teresa ist das eine gute Kombination", erklärt Bernd Godhoff. Seine Tochter fühle sich in Rosenharz beheimatet. "Positiv ist, dass das Angebot im Bereich Allgäu-Oberschwaben vielfältig ist." Dieser Aspekt hat seiner Tochter ermöglicht, verschiedene Arbeiten kennenzulernen und zu vergleichen. Und dies ermöglicht ihr heute, dass sie an zwei unterschiedlichen Einsatzstellen arbeiten kann. Für sie eine persönliche Bereicherung. "Abwechslung bei der Arbeit ist für Teresa wichtig", so der Vater.

Qualifizierte Tätigkeiten anbieten

Bernd Godhoff, der als Berufsschullehrer am KBZO in Weingarten tätig war, plädiert dafür, dass WfbMs insgesamt genügend Plätze für Menschen mit Behinderung vorhalten. Vor allem auch jenen, die eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme etwa in Helferberufen abgeschlossen haben, auf dem 1. Arbeitsmarkt aber trotzdem nicht vermittelt werden können und denen durch die gute Qualifikation die Tür der WfbM eher verschlossen bleibt. Dabei könnte es gerade auch für eine WfbM ein Gewinn sein, sie für qualifizierte Tätigkeiten einzusetzen.

Erlernte Fähigkeiten langfristig erhalten

Was Bernd Godhoff besonders am Herzen liegt, drückt er so aus: "Mir ist wichtig, dass gewährleistet wird, dass die Kompetenzen, die Menschen mit Behinderung über lange Jahre in der Schule erlernt haben, nicht verloren gehen." Er kann sich vorstellen, dass neben dem bereits umfangreichen arbeitsbegleitenden Angeboten der WfbM auch "Lern"-Einheiten regelmäßig an die Arbeitszeit gekoppelt sind, wie zum Beispiel regelmäßige Lesestunden, gemeinsame Zeitungslektüre oder das Training von Rechenkompetenzen. Lebenslanges Lernen ist auch für behinderte Menschen wichtig. "Dadurch bleibt die Fähigkeit sich mitzuteilen erhalten und das Selbstwertgefühl wird gesteigert", so Godhoff. Ebenso wie durch den eigenen Arbeitsplatz.

 

Nachgefragt

Zum Thema passgenaue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in den Werkstätten geben Stefan Fricker, Leiter Arbeit und Bildung der St. Gallus-Hilfe und Siegfried Groll, Werkstattleiter St. Konrad in Haslach Auskunft.

Herr Fricker: In wieweit können Sie die Arbeit passgenau und individuell auf den jeweiligen Menschen mit Behinderung ausrichten?

Stefan Fricker: Wir gehen immer von der Person aus und schauen uns an, welche Neigungen und Fähigkeiten sie besitzt. Vor allem versuchen wir herauszufinden wo jemand seine eigenen Entwicklungsmöglichkeiten und Unterstützungsbedarfe sieht.

Siegfried Groll: Die Beschäftigten können sich in einem vielfältigen Angebot verschiedenster Arbeitsfelder und Angeboten ausprobieren und so die für sie passgenaue Beschäftigung finden. Dies kann auch eine Mischform sein.

Teilweise wird den Werkstätten unterstellt, dass sie zum Beispiel für höher qualifizierte Menschen mit Behinderung nicht genügend Plätze vorhalten. Wie können sie einen solchen Bedarf im Raum Allgäu-Oberschwaben decken?

Fricker: Durch eine passgenaue Organisation, ein unabhängig arbeitendes Integrationsmanagement, das die Aufgabe hat, für entsprechend qualifizierte Menschen die am besten passende Arbeit zu finden und zu organisieren: Das kann vom speziellen Werkstattarbeitsplatz über einen ausgelagerten Arbeitsplatz im allgemeinen Arbeitsmarkt bis hin zur Vermittlung in eine Anstellung sein. Unterstützt wird unsere Aktivität durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst.

Kann Ihre Werkstatt den Wunsch von Angehörigen erfüllen, dazu beizutragen, dass die erlernten Kompetenzen erhalten bleiben? Welche Angebote machen Sie diesbezüglich im Rahmen der arbeitsbegleitenden Maßnahmen?

Fricker: Eindeutig ja! Wir machen regelmäßig und fortlaufend Angebote in allen Kulturtechniken  Lesen, Rechnen, Schreiben, darüber hinaus gibt es Angebote zu speziellen arbeitstechnischen Inhalten und Angebote, die die persönliche Entwicklung fördern. Zum Beispiel Training von neuen Arbeitsabläufen oder den Umgang mit neuen Werkzeugen.

Groll: Der Erhalt und die Erweiterung von Kompetenzen der Beschäftigten wird nicht nur in den vielseitigen arbeitsbegleitenden Maßnahmen gefördert, sondern vor allem auch in der täglichen Arbeit durch eingestreute anspruchsvolle Tätigkeiten, bei denen Grundkompetenzen gebraucht und eingesetzt werden. Die Beschäftigten erleben dadurch, dass sie Erlerntes auch in der Praxis anwenden können. Die Passgenauigkeit der Angebote wird durch regelmäßige unabhängige Befragungen der Beschäftigten überprüft.

Informationen:

In rund zehn verschiedenen Arbeitsfeldern bieten die Kooperationspartner St. Jakobus Behindertenhilfe in Haslach und die St. Gallus-Hilfe in Rosenharz und im AIP Wangen-Schauwies Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Wer interessiert ist, kann sich gerne vor Ort informieren oder auch hospitieren.

Kontakt:

St. Jakobus Behindertenhilfe, St. Konrad Haslach, Telefon 07528 9280, www.st-jakobus-behindertenhilfe.de

St. Gallus-Hilfe Rosenharz und Wangen-Schauwies, Telefon 07520 95623-100, www.st.gallus-hilfe.de

 

 


 

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Teresa Godhoff hat die Arbeit gefunden, die ihr Spaß macht.

Teresa Godhoff hat die Arbeit gefunden, die ihr Spaß macht.

Stefan Fricker, Leiter Bereich Arbeit und Bildung, St. Gallus-Hilfe.

Stefan Fricker, Leiter Bereich Arbeit und Bildung, St. Gallus-Hilfe.

Siegfried Groll, Werkstattleiter St. Konrad in Haslach, St. Jakobus-Behindertenhilfe.

Siegfried Groll, Werkstattleiter St. Konrad in Haslach, St. Jakobus-Behindertenhilfe.