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10.09.2012

Chance auf ein selbstbestimmtes Leben

WANGEN/AMTZELL – Die Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe, einer Gesellschaft der Stiftung Liebenau, feiern in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: Vor 25 Jahren zogen die ersten Menschen mit Behinderung aus dem Heimbereich in eigene Wohnungen. Das Büro für die Klienten aus Wangen und dem baden-württembergischen Allgäu befindet sich seit 2008 in Amtzell-Geiselharz, angegliedert an das Arbeitsintegrationsprojekt (AIP). Mitte September feiern Klienten, Angehörige und Betreuer das Jubiläum im Weberzunfthaus in Wangen.


"Ich bin sehr froh, dass ich allein leben kann."

Herbert Vogt aus Amtzell ist einer von 15 Klienten, die vom dreiköpfigen Team der Ambulanten Dienste Allgäu begleitet werden. Er lebt im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) in seiner eigenen Wohnung und arbeitet in der Werkstatt AIP in Geiselharz. Unter der Woche nutzt er die Kantine, aber am Wochenende wird selbst gekocht. Auch Wäsche waschen und einkaufen gehört für den 37-jährigen Mann mit Behinderung zum Alltag. "Ich bin sehr froh, dass ich allein leben kann. Aber es ist auch gut, dass jemand vom ABW zu mir kommt und mich unterstützt", erzählt Herbert Vogt. Frank Horn ist die Bezugsperson, mit der er bespricht, wie die Woche gelaufen ist. "Ich bin behilflich, wenn amtliche Angelegenheiten oder Arztbesuche anstehen, unterstütze aber auch bei besonderen Anschaffungen oder wie vor kurzem bei der Einrichtung eines Internetanschlusses", berichtet Frank Horn.

Eigene Lebensvorstellungen verwirklichen

Frank Horn sieht zusammen mit seiner Kollegin Julia Wolf die große Chance des ABW darin, dass die Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. "Die Klienten sind unsere Auftraggeber, das heißt, wir begleiten sie in einem selbst gewählten Rahmen mit viel Entscheidungsfreiheit", fasst Horn zusammen. Insgesamt werden aktuell circa 175 Menschen mit Behinderung in neun Landkreisen zwischen Lindau, Konstanz, Tübingen und Ulm im Rahmen des ABW durch die Ambulanten Dienste der St. Gallus-Hilfe begleitet. Sie leben alleine, in Wohngemeinschaften oder in Paarbeziehungen. Die Menschen erledigen ihre täglichen Besorgungen, arbeiten oder sind bereits in Rente, besuchen Volkshochschulkurse und die Bibliothek oder engagieren sich in Vereinen. "Das ABW gibt die Möglichkeit, die eigenen Lebensvorstellungen zu verwirklichen", erläutert Julia Wolf. "Im Gegensatz zu früher werden Menschen mit Behinderung heute eher von der Gesellschaft akzeptiert und differenzierter wahrgenommen", sind sich Frank Horn und Julia Wolf einig. Es gebe viele gute nachbarschaftliche Verhältnisse und die direkte, offene Art vieler Menschen käme in der Regel gut an.

Hilfe-Mix nach individuellem Bedarf

Stand vor 25 Jahren die Versorgung der Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt, ist das Ziel heute die Normalisierung der Lebensverhältnisse. Dies ist kein Widerspruch dazu, dass auch Menschen mit größeren Einschränkungen im ABW leben. "Wir haben häufig einen Hilfe-Mix, der sich immer am Bedarf des jeweiligen Klienten orientiert", sagt Frank Horn. Eine von ihnen ist Heike M.*, die zusammen mit ihrer elfjährigen Tochter in Waldburg lebt und von der Fachkraft Martina Sulzer begleitet wird. Heike M. ist auf den Rollstuhl angewiesen. "Außer den Leuten vom ABW kommen regelmäßig die Nachbarschaftshilfe und ein medizinischer Pflegedienst zu mir", berichtet Heike M., die in den Integrationswerkstätten Oberschwaben in Weingarten arbeitet. Ebenso wie Herbert Vogt ist auch sie froh über ihr weitgehend selbstbestimmtes Leben: "Dank der Unterstützung durch das ABW leben wir hier seit sechs Jahren sehr gut."

* Name von der Redaktion geändert

 


 

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Herbert Vogt aus Amtzell (links) mit Frank Horn und Julia Wolf.

Das Ambulant Betreute Wohnen der St. Gallus Hilfe besteht seit 25 Jahren (von links): Herbert Vogt aus Amtzell ist einer der Klienten. Begleitet wird er von Frank Horn und Julia Wolf.