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29.11.2012

Fachtag "Jedes Kind ist einmalig" anlässlich zehn Jahre Fachdienst Teilhabe

FRIEDRICHSHAFEN – Die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Eltern sind vielfältiger und vielschichtiger geworden. Es gilt, jedes Kind dort abzuholen, wo es steht und es nach seinem Bedarf individuell zu fördern und zu begleiten. Dies ist der Anspruch des Fachdienstes Teilhabe der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau), der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Aus diesem Anlass fand Mitte November in Friedrichshafen ein Fachtag für rund 200 Erzieherinnen und andere Fachkräfte unter dem Motto "Jedes Kind ist einmalig!" statt.


Jedes Kind ist einmalig

Professor Dr. Wolfgang Wasel von der Hochschule Ravensburg-Weingarten war Sozialdezernent des Bodenseekreises als der Fachdienst Teilhabe unter dem Namen Integrationsfachdienst vor zehn Jahren gegründet wurde. "Die Novellierung des Kindergartengesetzes gab den Eltern eines Kindes mit Behinderung das Wahlrecht zwischen Sondereinrichtung und regulärer Kindertagesstätte", erinnerte er an die Anfangszeit. Die Normalität der Menschen mit Behinderung sei im Kreis zur Handlungsmaxime erklärt worden. "Entscheidend ist, wie es den Kindern geht", so Dr. Wasel, der den Fachdienst Teilhabe auch aus seiner Zeit als Mitglied im Vorstand der Stiftung Liebenau kennt. "Die Eltern brauchen Vertrauen, die Erzieherinnen Kraft und die Fachdienste Idealismus."

Individuelle Angebote gefordert

Begonnen hat der damalige Integrationsfachdienst mit drei bis fünf Kindern, heute begleitet der Fachdienst Teilhabe mehr als 100 Kinder in Regelkindertagesstätten und Grundschulen. Die Namensänderung erklärte Dr. Wasel: "Wir sprechen heute nicht mehr von Integration, sondern von Inklusion und Teilhabe. Das heißt, wir machen keinen Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Behinderung." Wenn Inklusion gelingen solle, muss von Anfang an genau darauf geachtet werden.

In ihrem anschaulichen Fachvortrag sprach Verhaltensbiologin und Ethnologin Dr. Gabriele Haug-Schnabel über "Herausforderungen der Entwicklungsbegleitung und Entwicklungsförderung in Kindertageseinrichtungen". Jedes Kind sei besonders und jede Normvorstellung führe in die Irre, machte sie deutlich. So können sich Erstklässler in ihrer Entwicklung um die drei Jahre unterscheiden. "Deshalb drohen alle nicht individualisierten Angebote zu scheitern." Die rund 200 Fachtagbesucher forderte Dr. Haug-Schnabel dazu auf, sich häufiger eigene Sichtweisen und Maßstäbe bewusst zu machen. "Barrierefreiheit beginnt im Kopf, und wir müssen unseren Blick für Ausgrenzungen schärfen."

Freier Zugang zu Angeboten

Kinder wollen nicht beschäftigt werden, sondern sollten vielfältige Sinneserfahrungen machen dürfen und im Alltag etwas zu tun und zu lösen bekommen. Die Verhaltensbiologin stellte den freien Zugang zu Materialien und allen Räumen im Innen- und Außenbereich der Kita als sinnvolle Arbeitsweise vor. "Inklusion ist in offen arbeitenden Einrichtungen leichter zu leben", so ihre Erfahrung. Bewusst ist Haug-Schnabel, dass die offene Arbeit sowohl aus pädagogischer wie auch aus organisatorischer Sicht anspruchsvoll ist und aktuelle Gruppengrößen das Leben nicht gerade leichter machen.

In einer Podiumsdiskussion beleuchtete Moderator Christoph Gräf, Leiter des Bereichs Kinder, Jugend und Familie der St. Gallus-Hilfe, die unterschiedlichen Sichtweisen. Liane Pollermann, Leiterin einer Kita in Bad Wurzach, betreute bereits im Jahr 1995 das erste Kind mit Down-Syndrom. "Unser Aufgabenspektrum wird immer größer und die Rahmenbedingungen für Inklusion sind nicht gegeben", bemängelte sie. Als Kita-Träger in Friedrichshafen schilderte Pfarrer Bernd Herbinger seinen Eindruck: "Die Gesellschaft wünscht in Sachen Kinderbetreuung Quantität vor Qualität. Es wird erwartet, dass so lange an den Stellschrauben gedreht wird, bis es passt." Dabei stellt der Pfarrer das Ziel der Inklusion keinesfalls in Frage, im Gegenteil. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott normale Menschen geschaffen hat und dazu ein paar Ausnahmen. Jedes Kind ist gleich wertvoll."

Wunsch nach dem Normalen

Elke Zeller wird tätig, wenn im Bodenseekreis ein Antrag auf Eingliederungshilfe gestellt wird. "Das sind im Jahr circa 200 Kinder", so die Vertreterin des Fachdienstes gemeinsame Erziehung. Dabei stelle sie zunehmend fest, dass Kinder nicht nur eine Entwicklungsverzögerung haben, sondern auch Gesundheitsprobleme oder Verhaltensauffälligkeiten. Von ihren ganz persönlichen Erfahrungen erzählte Karin Förch, Mutter eines Kindes mit Behinderung, das einen Regelkindergarten besucht. "Unser Sohn soll mit den Nachbarskindern gemeinsam aufwachsen und nicht der Fremdling sein, der jeden Tag mit dem Bus abgeholt wird. Man wünscht sich einfach das ganz Normale."

Kinder lernen voneinander

In Kitas und Schulen begleiten Fachkräfte des Fachdienstes Teilhabe Kinder mit Behinderung. Eine von ihnen ist Heilpädagogin Dorothea Wehle-Kocheise: "Wir schauen, wobei das Kind Unterstützung braucht, entwickeln gemeinsam mit den Erzieherinnen Handlungskonzepte und treten zwischen den Kindern als Vermittler auf." Ganz wichtig ist ihr der Aspekt, wie viel die Kinder voneinander lernen.

Der Fachtag "Jedes Kind ist einmalig!" war eine Kooperationsveranstaltung der St. Gallus-Hilfe, der Fachberatung des Landesverbandes Katholische Kindertagesstätten, Diözese Rottenburg-Stuttgart, und der Fachberatung für Tageseinrichtungen für Kinder des Caritasverbandes Erzdiözese Freiburg.

 

 


 

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Rund 200 Erzieherinnen und andere Fachkräfte sind zum Fachtag "Jedes Kind ist einmalig" anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Fachdienstes Teilhabe gekommen.

Rund 200 Erzieherinnen und andere Fachkräfte sind zum Fachtag "Jedes Kind ist einmalig" anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Fachdienstes Teilhabe gekommen.

Danke für den Besuch des Fachtages!

Danke für den Besuch des Fachtages!

Bei einer Podiumsdiskussion wurden die verschiedenen Aspekte des Fachdienstes Teilhabe beleuchtet (von links): Karin Förch, Dorothea Wehle-Kocheise, Pfarrer Bernd Herbinger, Christoph Gräf, Elke Zeller, Liane Pollermann und Gabriele Haug-Schnabel.

Bei einer Podiumsdiskussion wurden die verschiedenen Aspekte des Fachdienstes Teilhabe beleuchtet (von links): Karin Förch, Dorothea Wehle-Kocheise, Pfarrer Bernd Herbinger, Christoph Gräf, Elke Zeller, Liane Pollermann und Gabriele Haug-Schnabel.