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25.06.2013

Hubert Hüppe und Lothar Riebsamen bei den Ambulanten Diensten der St. Gallus-Hilfe

FRIEDRICHSHAFEN – Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, und MdB Lothar Riebsamen trafen sich mit Dr. Markus Nachbaur, Vorstand der Stiftung Liebenau, und Vertretern der St. Gallus-Hilfe in den Räumen der Ambulanten Dienste in Friedrichshafen. Ins Gespräch kamen die Politiker außerdem mit der Gastmutter eines Pflegekindes, einer Leistungsnehmerin des Persönlichen Budgets und einem jungen Mann, der Teilnehmer einer kooperativen bildungsvorbereitenden Maßnahme ist, um eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Ihre persönlichen Erfahrungen standen im Mittelpunkt des Treffens.


"Wer Inklusion will, sucht Wege"

Eva Fischer aus Überlingen erzählte als Bezieherin des Persönlichen Budgets von ihrem Alltag und den Leistungen, die sie einkauft, um ihn zu erleichtern: "Ich bezahle von dem Geld eine Haushaltshilfe und Fachkräfte der St. Gallus-Hilfe. Außerdem werde ich von der Caritas und von der Nachbarschaftshilfe unterstützt." Interessiert fragte Hubert Hüppe nach ihrer Wohn- und Arbeitssituation. "Ich lebe allein mit meiner Katze und arbeite halbtags in der Küche des Gemeindepsychiatrischen Zentrums in Überlingen", antwortete die 31-Jährige, die eine seltene, erblich bedingte Erkrankung hat. Franz Walter, Leiter der Ambulanten Dienste, berichtete, dass die St. Gallus-Hilfe Dienstleister im Rahmen eines Leistungs-Mix sei, der immer wieder neu justiert werde. Aktuell werden 38 Budgetnehmer von Mitarbeitern der St. Gallus-Hilfe begleitet. Jörg Munk gab den Politikern das Thema Budgetassistenz mit auf den Weg. "Sie ist wichtig für Menschen, die nicht selbst Inhalt und Höhe des Persönlichen Budgets aushandeln können."

Auch begabte Kinder profitieren

Auch über die Erfahrungen von Eva Fischer in der Waldorfschule wollte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung mehr wissen. "Sie waren also in einer ganz normalen Schule. Und das war gut?", brachte er die aktuelle Schuldebatte zum Thema Inklusion ins Gespräch. Die junge Frau habe ihren Schulbesuch als ganz normal empfunden. Hüppe erzählte darauf von seinen Beobachtungen, wie selbstverständlich Kinder mit und ohne Behinderung miteinander umgehen. "Von der gegenseitigen Unterstützung profitieren auch die begabten Kinder", so sein Eindruck. Allerdings sei es notwendig, dass sich Pädagogen und Sonderpädagogen gemeinsam für alle Kinder verantwortlich fühlen. "Es reicht nicht, wenn Lena und Max drei Stunden in der Woche vom Sonderpädagogen aus dem Unterricht herausgenommen werden", betonte Hüppe.

Arbeitsvertrag in der Tasche

Von seinem Weg von der Förderschule ins Berufsleben berichtete Timo Natzenberg. Er ist Teilnehmer am KoBV, was für "Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt" steht. "Ich arbeite an drei Tagen pro Woche bei der Firma Neuland in Wilhelmsdorf im Garten- und Landschaftsbau. An zwei Tagen haben wir Unterricht in der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen", berichtete der junge Mann. Sein größter Ansporn sei, zu zeigen, dass er auch etwas leisten kann. In Kürze wird er seinen Arbeitsvertrag für eine Festanstellung unterschreiben. "Und das ist das, was Sie wollen?", fragte Hüppe nach. "Ja", antwortete Timo voller Stolz und mit glänzenden Augen.

Wenn die KoBV-Teilnehmer die Regelberufsschule besuchen, könne von Inklusion gesprochen werden, sind sich Hüppe und alle Gesprächspartner einig."Spannend ist das Netzwerk, das hier zwischen dem berufsbegleitenden Dienst der St. Gallus-Hilfe, der 'Arkade Pauline 13' und der Claude-Dornier-Schule geknüpft werde", ergänzte Jörg Munk. Kritisch sieht er jedoch die aktuelle Ausschreibungspraxis der Agentur für Arbeit. Der Bundesbehindertenbeauftragte zeigte Verständnis: "Ich sehe das ähnlich. Man sollte den Erfolg am Ergebnis und nicht an der Einhaltung einzelner Regeln messen." Er sei sehr dafür, gerade am Anfang auf dem Weg ins Berufsleben entsprechende Ressourcen zu investieren.

Leben in der Familie gibt Sicherheit

Als Pflegemutter des vierjährigen Tim erzählte Kirsten Krause aus Markdorf aus ihrem Alltag. Seit zweieinhalb Jahren lebt er wie ein eigenes Kind mit Vater, Mutter und Geschwistern in der Familie. "Das gibt Tim Sicherheit", berichtet Kirsten Krause. Begleitet wird die Familie als eine von rund 100 vom Dienst des Betreuten Wohnens in Familien der St. Gallus-Hilfe. "Ich erhalte gute Unterstützung und kompetente Beratung." Nicht ganz glücklich ist sie darüber, dass sie Tims Vormund beim Jugendamt grundsätzlich nachfragen muss, wenn Entscheidungen anstehen, da er der offizielle Erziehungsberechtigte ist.

Schauen, was jemand kann

Vom Redaktionsteam der "Wir – mittendrin", eine Zeitschrift von Menschen mit Behinderung, war Irmgard Weiland mit in der Runde. Sie wollte von Hubert Hüppe wissen, wie er Behindertenbeauftragter geworden ist. Bereits als Bundestagsabgeordneter habe er sich für die Belange von Menschen mit Behinderung interessiert. Auch das Thema Bio-Ethik habe eine wichtige Rolle gespielt. "Leider schauen wir immer, was jemand nicht kann, anstatt zu schauen, was jemand kann", sprach er allen am Tisch aus dem Herzen. Im Sinne der Inklusion mache ihm die Arbeit der St. Gallus-Hilfe Hoffnung: "Wer Inklusion will, sucht Wege. Wer sie nicht will, sucht Begründungen."

 


 

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Austausch über die Arbeit der St. Gallus-Hilfe.

Austausch über die Arbeit der St. Gallus-Hilfe (v. li.): Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, und MdB Lothar Riebsamen informierten sich bei Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe, und Dr. Markus Nachbaur, Vorstand der Stiftung Liebenau.

Interesse am Leben von Menschen mit Handicap.

Interesse am Leben von Menschen mit Handicap: Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe (Mitte links), und MdB Lothar Riebsamen trafen sich bei der St. Gallus-Hilfe zum Gespräch mit Menschen mit Behinderungen.