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16.08.2013

Engagiert trotz Handicap

RAVENSBURG – Zu fit für eine Arbeit in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) und überfordert von einem Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt: Diese Lücke schließen Betriebsintegrierte Arbeitsplätze. Dabei arbeiten Menschen mit Handicap in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, bleiben jedoch bei der WfbM beschäftigt. Jobcoach Danja Gründler von den Liebenauer Arbeitswelten begleitet Menschen wie Jenny Herth, die zurzeit ein Praktikum im SonderpreisBaumarkt in Baienfurt macht.


Vielfältig und abwechslungsreich

Lieferungen auspacken, den Lieferschein kontrollieren, die Ware auszeichnen, zwischendurch die Frage eines Kunden beantworten und die Ware ins Regal einräumen – Jenny Herths Tätigkeiten im SonderpreisBaumarkt sind vielfältig und abwechslungsreich. Sie trägt dasselbe rote T-Shirt wie alle anderen Mitarbeiter, und niemand würde denken, dass es sich bei der jungen Praktikantin um eine Mitarbeiterin mit so genanntem Werkstattstatus handelt. Durch die Arbeit im Liebenauer Landleben hat Jenny Herth bereits Erfahrungen im Umgang mit Kunden gesammelt, und viele Arbeitsschritte sind im Baumarkt ähnlich. "Ein Kunde hat mich gefragt, wo die Glühbirnen stehen, die im Angebot sind. Ich habe ihn zum Regal geführt und er hat sich bei mir bedankt", erzählt sie stolz von einem Erfolgserlebnis.

Arbeitsplätze orientieren sich an den Fähigkeiten

Jenny Herths Ziel ist ein Betriebsintegrierter Arbeitsplatz. Das heißt, sie arbeitet in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, bleibt jedoch bei der WfbM beschäftigt. "Dieses Modell dient dazu, die Menschen in einen normalen Arbeitsprozess einzugliedern und ihnen gleichzeitig einen geschützteren Rahmen zu geben", erläutert Jobcoach Danja Gründler.

Die Arbeitsplätze orientieren sich an den jeweiligen Fähigkeiten und nicht an einem bestimmten Berufsbild oder Schulabschluss. "Jenny kann im Baumarkt alle Tätigkeiten mit Ausnahme des Kassierens übernehmen", nennt sie ein Beispiel. Mitarbeiter wie sie, entlasten die Arbeitskollegen. Das wirkt sich positiv aufs Betriebsklima aus. "Hinzu kommt, dass die Menschen mit Handicap in der Regel sehr engagiert und motiviert sind. Das gilt auch für einfache Tätigkeiten", so die Erfahrung der Sozialpädagogin. Der Lohn wird in der Regel zur Gewährleistung der Grundsicherung aufgestockt. "Die Menschen haben daher nicht mehr Geld, aber sie verdienen es selbst. Und das macht zufrieden."

Eine Chance für weniger privilegierte Menschen

Jeff Fischer, Leiter des Baienfurter SonderpreisBaumarkts kann das bestätigen. "Jenny ist pünktlich, erledigt ihre Aufgaben ordentlich und ist sehr wissbegierig", lobt er. Manchmal sei sie noch ein wenig aufgeregt, und auch der eigene Blick für die Arbeit fehle noch. "Aber genau dafür macht sie ja das Praktikum." Ein Vorteil des kleinen, familiären Betriebes sei, dass sich innerhalb von kurzer Zeit ganz gute Beziehungen im Team aufbauen lassen würden. "Ich finde es wichtig, auch weniger privilegierten Menschen eine Chance für den Einstieg ins Berufsleben zu geben." In diesem Sinne sei Jenny Herths Praktikum für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation.

Jobcoach als Bindeglied

Zwei bis drei Monate dauern die Praktika, die zu einem Betriebsintegrierten Arbeitsplatz führen sollen. Zum ersten Beschnuppern gibt es im Vorfeld einen Hospitationstag. "Die ersten ein bis zwei Tage bin ich während der Einarbeitung im Betrieb dabei, um den Einstieg sowohl für den Betrieb als auch für den Praktikanten zu erleichtern", berichtet Danja Gründler. Dann zieht sich der Jobcoach Stück für Stück zurück. Einmal pro Woche kommt sie jedoch in den Betrieb, um eventuell anstehende Probleme zu besprechen. "Die Praktikanten können außerdem jederzeit ins Büro kommen oder anrufen." Außerdem gibt es im Betrieb für sie einen Mentor als Ansprechpartner.




 

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www.teamwork-kommunikation.de

Jenny Herths Ziel ist ein Betriebsintegrierter Arbeitsplatz. Während eines Praktikums im Sonderpreis Baumarkt in Baienfurt sammelt sie die nötigen Erfahrungen.

Jenny Herths Ziel ist ein Betriebsintegrierter Arbeitsplatz. Während eines Praktikums im Sonderpreis Baumarkt in Baienfurt sammelt sie die nötigen Erfahrungen.