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27.08.2013

Mit Bildern und Gesten sprechen

ROSENHARZ – "Wenn wir nicht sprechen können. Wenn uns die Worte fehlen"“ In ihrem Kolloquium zur staatlich anerkannten Arbeitserzieherin befasste sich Kerstin Rimmele von der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Rosenharz (Stiftung Liebenau) mit den kommunikativen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung.


Gesten, Mimik und Laute

"Es geht mir gut." "Gestern war ein schöner Tag." "Am Wochenende fahre ich zu meiner Familie." "Es ist ein Grundbedürfnis, sich mitzuteilen", bestätigt Kerstin Rimmele. In der Ausbildung zur Arbeitserzieherin an der Gotthilf-Vöhringer-Schule hat sie erfahren, wie schwierig es ist, Mitteilungen auf wenige Worte zu reduzieren. "Wähle ich Worte, wie Hallo, Arbeit, Bus, Hunger, Durst oder Fußball, kann ich immer noch nicht sagen 'Ich hätte gerne einen Salat und keine Suppe', oder 'Bitte höre mir zu', oder 'Nein, ich will nicht töpfern, ich möchte gerne zum Schwimmen'." Derjenige, dem die Worte fehlen, ist gezwungen, eine "andere Sprache" anzuwenden. Viel Kreatives hat Kerstin Rimmele in der WfbM schon über Gesten, Mimik und Laute erlebt. "Aber ich habe nichts verstanden. Ich wusste nur, da möchte mir jemand von seinen Erlebnissen erzählen."

Distanzloses Verhalten

Wie reagiert jemand, wenn er dennoch will, dass der andere ihm zuhört? Dann kann es passieren, dass man den anderen festhält. Das kann auf eine liebevolle Art und Weise geschehen, aber auch latent aggressiv, bis es wehtut und sich der andere zwangsläufig mit dem Gegenüber auseinander setzen muss. In ihrer Arbeitsgruppe hat sie beobachtet, dass Beschäftigte aufgrund ihres distanzlosen Verhaltens von anderen Beschäftigten ausgegrenzt werden. "Viele empfinden das schnell als sehr unangenehm, was aber unserem Gegenüber oft gar nicht bewusst ist, denn er geht meist nur seinem Bedürfnis nach, sich mitzuteilen", erklärt die Arbeitserzieherin.

Kommunikation über das Ich-Buch

Kerstin Rimmele unterstützt die Kommunikation mit einem "Ich-Buch". Mit Hilfe der Familie und den Mitarbeitern aus dem Bereich Arbeit und Wohnen wird das "Ich-Buch" gestaltet. Auf den ersten Seiten stellt sich die Familie mit Bildern und Texten vor, beschreibt besondere Ereignisse und Hobbys. Kerstin Rimmele ist es wichtig, dass der Beschäftigte spüren kann: "Das bin ich und ich bin Teil dieser Familie." Auch die Wohngruppe und der Arbeitsbereich werden vorgestellt. Ähnlich wie in einem Tagebuch werden mit Unterstützung der Mitarbeiter alltägliche Erfahrungen festgehalten. Die Familienangehörigen, die Wohngruppe und der Arbeitsbereich lesen oder sehen anhand von Bildern, was sich in den jeweils anderen Lebensbereichen ereignet hat.

Spannend findet Kerstin Rimmele, dass diejenigen, die sprechen können, auch an den Gebärden interessiert sind. "Plötzlich ist Begegnung möglich." Auch wenn sich die Verständigung noch auf wenige Worte reduziert. "Manchmal genügen wenige Worte, um sagen zu können, ich will Tee oder Kaffee. Ich will töpfern oder zum Schwimmen gehen." Und nach dem Training von Nähe und Distanz können viele Beschäftigte viel deutlicher für sich sprechen: "Komm her" oder "Lass‘ mich in Ruhe."

 

Information:

Die Gotthilf-Vöhringer-Schule (GVS) ist eine evangelische Fachschule für Arbeitserziehung/Arbeitstherapie, Heilerziehungspflege, Altenpflege, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Heilpädagogik in Wilhelmsdorf.

 


 

Kontakt:
Liebenau Teamwork Kommunikation GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
info@teamwork-kommunikation.de
www.teamwork-kommunikation.de

"Das Ich-Buch ist ein Dokument für das, was ich nicht sagen kann." Arbeitserzieherin Kerstin Rimmele (links) von der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) unterstützt den Austausch mit WfbM-Beschäftigten mit einem "Ich-Buch".

"Das Ich-Buch ist ein Dokument für das, was ich nicht sagen kann." Arbeitserzieherin Kerstin Rimmele (links) von der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) unterstützt den Austausch mit WfbM-Beschäftigten mit einem "Ich-Buch".

Mit Gesten und Bildern sprechen. In ihrem Kolloquium zur staatlich anerkannten Arbeitserzieherin befasste sich Kerstin Rimmele (links) von der St. Gallus-Werkstatt Rosenharz (Stiftung Liebenau) mit den kommunikativen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung.

Mit Gesten und Bildern sprechen. In ihrem Kolloquium zur staatlich anerkannten Arbeitserzieherin befasste sich Kerstin Rimmele (links) von der St. Gallus-Werkstatt Rosenharz (Stiftung Liebenau) mit den kommunikativen Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung.

"Welche Distanz tut mir gut und wie viel Nähe erträgt der andere?"

"Welche Distanz tut mir gut und wie viel Nähe erträgt der andere?"