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12.11.2013

Fünf Jahre Sozialmedizinische Nachsorge für Kinder

RAVENSBURG – Seit fünf Jahren gibt es die Sozialmedizinische Nachsorge für Familien mit chronisch-, krebs- und schwerstkranken Kindern sowie Früh- und Risikogeborenen. Im Raum Allgäu-Bodensee-Oberschwaben betreute der Dienst – eine Kooperation zwischen Stiftung Liebenau und Oberschwabenklinik (OSK) – rund 200 hoch belastete Familien. Das kleine Jubiläum nahmen die Verantwortlichen zum Anlass, die Situation der jungen Patienten kritisch zu beleuchten.


Verantwortung übernehmen

"Was sind uns Kinder wert?", fragte Christoph Gräf, Leiter des Bereichs Kinder, Jugendliche und Familien der St. Gallus-Hilfe, einer Gesellschaft der Stiftung Liebenau. Kinder seien zum knappen gesellschaftlichen Gut geworden und die Scheinwerfer der öffentlichen Wahrnehmung seien dabei, jede Ecke der Kindheit auszuleuchten. Aber: "Kinder mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und mit schwer zu verkraftenden Diagnosen bleiben ausgespart", so Gräfs Eindruck. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf wohnortnahe, kindgerechte und familienorientierte Leistungen. "Noch braucht es Menschen und Organisationen, die Verantwortung übernehmen, um Versorgungslücken auszugleichen."

Kooperation zwischen OSK und Stiftung Liebenau

Christoph Gräf und OSK-Geschäftsführer Dr. Sebastian Wolf dankten den Verantwortlichen der Stiftung Liebenau und der Oberschwabenklinik, die sich vor fünf Jahren gemeinsam mit dem Bunten Kreis auf den Weg gemacht haben, um in der Region eine familienorientierte Kindernachsorge sicherzustellen. "Sie tun sehr, sehr gute Werke. Jeden Tag", richtete sich Dr. Wolf an das Team um Susanne Dietrich, Leiterin des Nachsorgeteams. Die Kooperation zwischen den beiden Einrichtungen begrüßte er und unterstrich die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Finanzierung wird immer schwieriger

Andreas Podeswik, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Bunter Kreis, betonte, wie wichtig ein funktionierendes Netzwerk ist, um ein gutes Leben mit Krankheit zu ermöglichen. "Darin nehmen die Sozialmedizinischen Nachsorgeeinrichtungen einen hohen Stellenwert ein", so Podeswik. Dabei würden die 2009 ausgehandelten Regelleistungen bei weitem nicht ausreichen. "Der Stundensatz in Höhe von 68 Euro ist zu niedrig."

Dr. Andreas Artlich, Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin an der OSK, ging noch einen Schritt weiter: "Die Finanzierung der Versorgung kranker Kinder und Jugendlicher in Oberschwaben steht in einigen Bereichen nicht auf sicheren Füßen." Im Auge hat der Kinder- und Jugendmediziner vor allem die kleinsten Patienten und die chronisch kranken Kinder, z. B. mit Diabetes, für die ambulant nicht in erforderlichem Maße gesorgt wird und die ein Krankenhaus nach den geltenden Finanzierungsregeln nicht kostendeckend behandeln könne. "Von Jahr zu Jahr gibt es weniger Kinder, das heißt die Vorhaltekosten werden immer weniger gegenfinanziert, erläuterte Dr. Artlich. Dies könne auf Dauer die wohnortnahe Notfallversorgung gefährden. "Die Finanzierungslücke ist durch die Träger allein nicht zu schließen", appellierte er an die Politik.

Kinder stehen nicht im Fokus

Die "Baustelle Gesundheitswesen", insbesondere die Versorgungssituation von chronisch und schwerkranken Kindern und Jugendlichen beleuchtete auch Jochen Scheel, Geschäftsführer des Vereins "GKinD". "Sie sind nicht im Fokus der Gesundheitspolitik", stellte Scheel fest. Kontinuierlich seien die Fachabteilungen für Kinder- und Jugendmedizin in den letzten 20 Jahren abgebaut worden. Scheel spricht von 17 Prozent. Eine Grafik zeigte, wie vergleichsweise niedrig die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Krankenhaus im Vergleich zu den älteren Patienten ist. So stehen den 0- bis 15-jährigen Patienten etwa genau so viele 70- bis 75-Jährige gegenüber. "Würde man bei den Kindern mehr investieren, könnten im späteren Lebensalter viele Folgekosten verhindert werden", so Scheels Fazit.

Wichtiger Beitrag zum Wohl der Kinder

Christoph Gräf unterstrich seinen Wunsch nach einer Lobby für Kinder. "Die Finanzierung aller medizinischen und pflegerischen Leistungen für Kinder müssten neu durchbuchstabiert werden", forderte er. Nichtsdestotrotz mache ihn und das Team um Susanne Dietrich die gute Arbeit der ersten fünf Jahre froh. "Und ein bisschen stolz", ergänzte Gräf. So sei es keine Frage, ob die Sozialmedizinische Nachsorge mit ihrer Arbeit weitermachen würde. "Wer bei den Familien vor Ort ist weiß, dass wir einen guten und wichtigen Beitrag zum Wohle der Kinder leisten."

Zur Sozialmedizinischen Nachsorge

 


 

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Fünf Jahre Sozialmedizinische Nachsorge im Raum Allgäu-Bodensee-Oberschwaben (von links): Dr. Andreas Artlich, Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin an der OSK und Christoph Gräf von der Stiftung Liebenau (rechts) dankten Dr. Brigitte Keyser, Sybille Stein, Susanne Dietrich, Elisabeth Burkart und Nadja Nobis vom Nachsorge-Team.

Ein Schaukelpferd als Geburtstagsgeschenk: Andreas Podeswik (links) vom Bundesverband Bunter Kreis mit Christoph Gräf von der Stiftung Liebenau und Nachsorge-Case-Managerin Susanne Dietrich.

Gut besucht: Die Jubiläumsveranstaltung in der Alten Spohnhalle in Ravensburg.