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03.12.2013

"Als ob er mein eigenes Kind wäre"

RAVENSBURG – Vor ziemlich genau vier Jahren erfuhr Dagmar Nieradzik durch eine Zeitungsanzeige, dass für ein Baby mit Behinderung eine Pflegefamilie gesucht wird. "Die meinen mich", erinnert sich die Frau mit drei eigenen, inzwischen erwachsenen, Kindern an ihre erste Reaktion. Auch Andreas Liehner vom Fachdienst Betreutes Wohnen in Familien der St. Gallus-Hilfe hatte beim ersten Kontakt am Telefon gleich ein gutes Gefühl für Johannes*, der als Frühchen mit mehrfacher Behinderung und unklarer Prognose das Licht der Welt erblickt hat.


Hoffnung auf eine längere Verbindung

"Im ersten Vierteljahr unseres Kontakts war Johannes noch auf der Intensivstation der Kinderklinik und wanderte zwischen Leben und Tod", berichtet Dagmar Nieradzik. Besonders erschütternd sei für sie gewesen, dass das Kind anfangs überhaupt nicht geschrien habe. Tag für Tag wurde die Bindung zwischen Pflegemutter und dem Baby enger. Bereits im Krankenhaus übernahm sie einen großen Teil der Grundpflege. "Ich hatte damals bereits die Hoffnung auf eine längere Verbindung, musste aber auch mit einem frühen Abschied rechnen."

"Er ist für mich eine riesige Freude"

Inzwischen ist Johannes vier Jahre alt und widerlegte immer wieder die schlechten Prognosen. Anfangs war Dagmar Nieradzik rund um die Uhr für ihn da, später übernahmen auch ihre erwachsenen Töchter stundenweise die Betreuung. "Ich wurde immer sicherer beim Einschätzen der Situation", erinnert sie sich. Seit drei Wochen besucht der Junge einen integrativen Kindergarten. "Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist und seine positive Entwicklung macht mich überglücklich", erzählt die Pflegemutter und denkt bereits daran, dass der Junge später auch eine Schule besuchen kann. "Ich beschäftige mich mit seinem künftigen Lebensweg genau so, als ob er mein eigenes Kind wäre, und er ist für mich eine riesige Freude."

Schwere Behinderung bedeutet nicht automatisch Heim

Für Andreas Liehner vom Betreuten Wohnen in Familien (BWF) ist klar: "Für Johannes hätte es keinen besseren Platz geben können." Die Verbindung zeige, dass auch eine schwerere Behinderung nicht automatisch ein Leben im Heim bedeute. "Wichtig ist, dass wir im Vorfeld immer ganz genau prüfen, welches Kind oder welcher erwachsene Mensch in welche Familie passt", erläutert er. Auch für Dagmar Nieradzik ist es gut, das BWF und ihren Ansprechpartner im Hintergrund zu wissen. "So muss ich die anstehenden Entscheidungen nicht alleine treffen und weiß, dass jemand da ist, um über Schwierigkeiten im Alltag zu sprechen."

Freunde akzeptieren das Pflegekind

Dagmar Nieradziks Freundeskreis sei zunächst erstaunt gewesen, dass sie sich nach dem Flüggewerden der eigenen Kinder mit einem schwerstmehrfach behinderten Kind "belaste". "Meine Freunde haben das aber schnell akzeptiert, und durch Johannes haben sich zusätzlich noch neue Bekanntschaften ergeben." Ihre frühere Berufstätigkeit in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung habe ihr die Entscheidung für ein Leben mit Johannes ebenfalls leichter gemacht. "Fast die Hälfte unserer Pflegefamilien hat Vorerfahrungen im sozialen Bereich", stellt Andreas Liehner fest. Es dürften sich aber auch gerne Familien melden, die bislang keinen Kontakt mit Menschen mit Behinderung hatten. "Sie werden durch den Fachdienst gezielt vorbereitet und geschult."

* Name von der Redaktion geändert

 

Information und Kontakt:

Betreutes Wohnen in Familien der St. Gallus-Hilfe gGmbH
Andreas Liehner
Friedhofstraße 11
88212 Ravensburg
Tel. 0751 977123-103
andreas.liehner@st.gallus-hilfe.de

 



 

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In vier Jahren ist das Verhältnis zwischen Pflegemutter Dagmar Nieradzik und Johannes stetig gewachsen. Andreas Liehner vom Betreuten Wohnen in Familien, einem Dienst der St. Gallus-Hilfe, unterstützt und ist Ansprechpartner.

In vier Jahren ist das Verhältnis zwischen Pflegemutter Dagmar Nieradzik und Johannes stetig gewachsen. Andreas Liehner vom Betreuten Wohnen in Familien, einem Dienst der St. Gallus-Hilfe, unterstützt und ist Ansprechpartner.