Sie sind hier:
24.02.2014

Ich plaudere gerne… Romeo Würz aus der Perspektive eines Nutzers von UK

Mit seinem entwaffnenden Charme zog Romeo Würz die Zuhörer in seinen Bann: Er erzählte aus seinem Leben, über seine eigenen Erfahrungen. "Ich plaudere gerne…", ließ er das Publikum wissen. Das Erstaunliche dabei: Der Mann im Rollstuhl kann gar nicht sprechen. Wie geht das? Sein Sprachcomputer macht für ihn plaudern möglich. Der Einsatz dieser Unterstützten Kommunikation, bedeutet für ihn Lebensqualität, "sagte" er selbst beim UK-Fachtag der St. Gallus-Hilfe für Mitarbeiter.


Geduld für ein Stück Lebensqualität

"Ich bin 40 Jahre alt. Ich komme aus Münchwilen im Kanton Thurgau. Und ich bin Fan vom FC St. Gallen", spricht eine Stimme zu den Gästen. Sie ist von Romeo Würz geliehen. Der nickt währenddessen zustimmend. Durch die Bedienung eines Kopfschalters an der Lehne seines Rollstuhls benötige er etwas mehr Zeit für die Kommunikation. Für die Zuhörer ist das zunächst ungewohnt. Geduld ist gefordert.

Nicht mehr ausgeschlossen

Der Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten bedeutet nicht selten, ausgeschlossen zu sein. Auch Würz machte diese Erfahrung. "In die Schule ging ich nicht gerne, weil meine Klasse sehr gut war. Der Lehrer kam immer für zwei Stunden. Da hatte ich Pause." Durch die Anwendung von UK – die er von der Pike auf lernen musste und immer noch lernt – ist er heute etwa in der Lage, mit seiner Familie zu telefonieren. "Ich telefoniere gerne mal 15 Minuten", hört man die etwas sperrige Stimme. Würz grinst und bestätigt das Gesagte mit einem leisen Brummen. Er finde es sehr gut, wenn eine Frau über UK mitteilen kann, dass sie gerne lange Haare hätte. Und: "Die Betreuer denken, alle wollen ein Einzelzimmer und alle wollen kurze Haare. Aber das ist nicht so", sagt Würz‘ Stimme, der dazu lacht. So wie die Besucher.

Höhere Selbstbestimmung

Würz formuliert damit einen ganz wichtigen Punkt. Nämlich dass UK eine höhere Selbstbestimmung ermöglicht, indem jemand, der in seiner Sprache eingeschränkt ist, andere Möglichkeiten erhält, zu kommunizieren. Der Kommunikationspartner muss sich jedoch ebenfalls darauf einlassen. UK erfordert mitunter mehr Zeit und mehr Genauigkeit als etwa einfachere, konkretere Fragestellungen.

Zum Fachtag der St. Gallus-Hilfe kam Würz mit seinem Assistenten Reiner Gschwend nicht nur als Nutzer von UK, sondern auch in der Funktion als ausgebildeter UK-Referent. Die Weiterbildung hat er 2012 abgeschlossen. "Seither bin ich immer mal wieder als UK-Referent unterwegs." Sein ganz persönliches Ziel sei es, dass UK noch bekannter wird. Und dass noch mehr Menschen befähigt werden, über UK zu kommunizieren.

 

Informationen:

Die St. Gallus-Hilfe verfolgt das Ziel, Unterstützte Kommunikation stärker einzusetzen, damit Menschen – auch mit schweren Beeinträchtigungen - an Kommunikation teilhaben können. Mitglieder des "Arbeitskreises UK" der St. Gallus-Hilfe beraten Mitarbeiter und Betroffene bei Bedarf über UK.

Pressemitteilung zum Fachtag Unterstützte Kommunikation.

 


 

Kontakt:
Liebenau Teamwork Kommunikation GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
info@teamwork-kommunikation.de
www.teamwork-kommunikation.de

Romeo Würz ist glücklich, dass er mit Hilfe von Unterstützter Kommunikation "plaudern" kann.

Romeo Würz ist glücklich, dass er mit Hilfe von Unterstützter Kommunikation "plaudern" kann.

Romeo Würz und sein Sprachcomputer.

Romeo Würz und sein Sprachcomputer.