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24.02.2014

Fachtag Unterstützte Kommunikation (UK): Wenn Worte meine Sprache wären...

LIEBENAU – Unterstützte Kommunikation nimmt in der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) einen immer größeren Stellenwert ein. Dabei geht es im Besonderen darum Menschen – auch mit schweren Beeinträchtigungen - Kommunikation zu ermöglichen. Gestörte Kommunikationsprozesse können nicht selten etwa zu Enttäuschung, Rückzug, Aggression oder Depression führen. Funktionierende Kommunikation hingegen bedeutet Teilhabe und Lebensqualität. Beim Fachtag Unterstützte Kommunikation erhielten Mitarbeiter aus den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit einen umfassenden Einblick in das Thema.


Information und Erfahrungsbericht

Referate hielten zwei Gäste aus der Schweiz: Prof. Gabriela Antener von der Fachhochschule Nordwestschweiz sprach über den Hintergrund, den Rechtsanspruch auf Kommunikation durch die UN-Rechtskonvention und die Voraussetzungen für UK. Romeo Würz aus Münchwilen schilderte die Perspektive eines Nutzers von Unterstützter Kommunikation.

Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)? Jeder kennt Beispiele aus dem Alltag: etwa Piktogramme, Schilder und Bilder, die Sachverhalte einfacher darstellen. UK beinhaltet lautsprachliche und auch schriftsprachliche Kommunikation. Hilfsmittel sind unter anderem Sprachcomputer, Talker oder Talker mit Augensteuerung. Gebärden und Texte in "Leichter Sprache", Kommunikationstafeln und –bücher sind ebenfalls Bestandteile von UK.

Recht auf Kommunikation

"Kommunikation ist ein wesentlicher Teil, den wir einlösen sollten", so Gabriela Antener, die sich dabei auch auf die UN-Konvention berief. UK sei nichts anderes als Kommunikation. "Man kann nicht alleine kommunizieren", so die Professorin. Daher müsse man Mittel finden, um Kommunikation teilen zu können. "Es geht immer um beide Seiten", unterstrich sie die Wichtigkeit, dass auch Menschen ohne Behinderung und Assistenten von Menschen mit Behinderung sich mit UK auseinandersetzen. Außerdem gebe es nicht das eine System. Gesprochene Sprache wird bei UK durch einfache Mittel unterstützt. Sie beinhaltet meist weniger Begriffe. "Es geht mehr um das Hier und das Jetzt", erläuterte Antener.

Alle profitieren

Profitieren können viele von UK, Normalbürger inklusive. Nutzen haben Menschen mit angeborenen Schäden oder Behinderungen, mit Entwicklungsstörungen, aber auch mit erworbenen Schädigungen (Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma) sowie fortschreitenden Erkrankungen. Diese Bandbreite macht auch eine Vielfalt an UK nötig. Gelingt der Einsatz von UK, bedeutet dies Integration und Partizipation für die Nutzer. Gefragt sind beim Einsatz von UK Geduld, Ausdauer und Konstanz. Antener ist sich sicher: "Es ist nie zu spät, mit Unterstützter Kommunikation zu beginnen."

Im Anschluss an ihren Vortrag schilderte Romeo Würz den Einsatz von UK aus Sicht als Anwender. Würz sitzt mit einer schweren Behinderung im Rollstuhl. Durch seinen Sprachcomputer ist er fähig, sich mit seiner Umwelt auszutauschen (siehe Porträt Romeo Würz). Am Nachmittag konnten die über 100 Fachtag-Besucher an verschiedenen Workshops teilnehmen. Bei der Schlussrunde zeigten sich viele besonders von den Ausführungen von Romeo Würz und der Anwendung von UK durch ihn beeindruckt.

 

Informationen:

Die St. Gallus-Hilfe verfolgt das Ziel, Unterstützte Kommunikation stärker einzusetzen, damit Menschen – auch mit schweren Beeinträchtigungen - an Kommunikation teilhaben können. Mitglieder des "Arbeitskreises UK" der St. Gallus-Hilfe beraten Mitarbeiter und Betroffene bei Bedarf über UK.

Porträt Romeo Würz: Ich plaudere gerne…

 


 

Kontakt:
Liebenau Teamwork Kommunikation GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
info@teamwork-kommunikation.de
www.teamwork-kommunikation.de

Prof. Gabriela Antener von der Fachhochschule Nordostschweiz erläuterte ihre Erfahrungen zu Unterstützter Kommunikation.

Prof. Gabriela Antener von der Fachhochschule Nordostschweiz erläuterte ihre Erfahrungen zu Unterstützter Kommunikation.