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14.07.2014

Ein Stück Normalität mitten in der Gesellschaft

FRIEDRICHSHAFEN – Mit dem Spatenstich fiel am vergangenen Freitag in der Friedrichshafener Marienstraße der offizielle Startschuss für den Bau eines Wohnhauses für 18 Menschen mit geistiger Behinderung. Kooperationspartner der St. Gallus-Hilfe (eine Gesellschaft der Stiftung Liebenau) ist die Katholische Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen. Sie plant unter dem gleichen Dach den Neubau ihrer Sozialstation.


Mit Wohlwollen begegnen

Eigentlich sei es schade, dass ein Spatenstich dieser Art immer noch etwas Besonderes sei, sagte Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau. "Diese Menschen sind nur ein bisschen anders, aber alle haben das gleiche Herz." Sie seien darauf angewiesen, dass sie mit Wohlwollen und Sympathie begleitet werden. "Aber ich möchte auch, dass man mir mit Wohlwollen begegnet", so Prälat Brock. Ziel sei es, gemeinsam mit Landkreis und Kommune mitten in der Gemeinde ein Stück Normalität zu schaffen.

Das Projekt steht im Zusammenhang mit der Dezentralisierung von Wohn- und Beschäftigungsangeboten. Pfarrer Bernd Herbinger, Vorsitzender der Katholischen Gesamtkirchengemeinde, unterstrich, dass aus der familienfreundlichen Gemeinde eine Gemeinde werden soll, die noch offener für Menschen mit Behinderung ist. Gleichzeitig werde sich hier das neue Zuhause für die Sozialstation befinden. Bei der Nachbarschaft entschuldigte er sich für den bevorstehenden Lärm während der Abrissphase.

"In der Stadt kann man mehr unternehmen"

Markus Wursthorn, Bereichsleiter der St. Gallus-Hilfe, stellte Silvia Maushart und Michael Schaber vor, die sich bereits jetzt auf den Umzug freuen. Silvia Maushart wohnt bereits seit zwölf Jahren in Friedrichshafen, allerdings in einer Wohngemeinschaft mit neun Personen und nur einem Bad. Sie arbeitet in einer Außenwerkstatt bei ZF und kümmert sich um den Haushalt. "Mitarbeiter helfen uns dabei", erzählte die junge Frau, die sich bereits jetzt auf das Seehasenfest freut. Michael Schaber lebt in einer Außenwohngruppe in Hegenberg. "Ich möchte von dort wegziehen, weil man hier in Friedrichshafen mehr unternehmen kann", berichtet er von seinen Plänen.

Verschiedenartigkeit macht die Gesellschaft aus

Zu den Diensten der Sozialstation gehören Alten- und Krankenpflege, Krankenhausnachsorge, Hausnotruf, Familienpflege, Nachbarschaftshilfe und Essen auf Rädern. Rund 30 hauptamtliche Mitarbeiter werden von mehr als 100 Ehrenamtlichen unterstützt. "Sie sind der soziale Kitt unserer Gesellschaft", sagte Dieter Hornung, zweiter Vorsitzender der Katholischen Gesamtkirchengemeinde. "Das neue Gebäude ist zwar nur ein kleiner Tropfen im weiten Wasser der Hilfeleistungen, aber konkrete Hilfe ist wichtiger als ein ganzer Ozean an Barmherzigkeit", so Hornung.

Andreas Köster, Sozialdezernent des Bodenseekreises, sagte, dass er das Wort "normal" inzwischen möglichst vermeide. "Viel besser gefällt mir die Idee von 'Mittendrin statt nur dabei'." Als Gesellschaft mache uns ja gerade die Verschiedenartigkeit aus. "Wir 'Normale' können uns viel von der Herzlichkeit und der Lebensfreude dieser Menschen abschauen", so Köster. Friedrichshafens Baubürgermeister Stefan Köhler, unterstrich diesen Standpunkt. "Menschen mit Behinderung sollen nicht an den Rand gedrängt werden." Sein Dank galt der Stiftung Liebenau, der St. Gallus-Hilfe, der Katholischen Gesamtkirchengemeinde sowie den Planern vom Architekturbüro Plösser.

 

Info:

Wohnhaus für 18 erwachsene Menschen mit Behinderung und Sozialstation in der Marienstraße 16/18 in Friedrichshafen:

Bauherren sind die Stiftung Liebenau und die Katholische Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen.
Die Nutzfläche beträgt 972 Quadratmeter, davon sind 619 Quadratmeter für die Wohnungen der St. Gallus-Hilfe und 353 Quadratmeter für die Sozialstation vorgesehen.
Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf rund 2,7 Millionen Euro. Geplant wird das Haus vom Architekturbüro Plösser aus Friedrichshafen.
Die Fertigstellung ist für Herbst 2015 anvisiert.
Gefördert wird das Projekt vom Land Baden-Württemberg mit 640.000 Euro und von der Aktion Mensch mit 250.000 Euro.

 

 


 

Kontakt:
Liebenau Teamwork Kommunikation GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon 07542 10-1181 
Telefax 07542 10-1117
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http://www.teamwork-kommunikation.de/

Spatenstich für Sozialstation und Wohnhaus für Menschen mit Behinderung (v. li.): Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe; Markus Wursthorn, Bereichsleiter der St. Gallus-Hilfe; Pfarrer Bernd Herbinger; Sozialdezernent Andreas Köster; die Bewohner Silvia Maushart und Michael Schaber; Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau; Dieter Hornung, 2. Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinde; Baubürgermeister Stefan Köhler; Manuel Plösser, Werner Plösser und Eberhard Fiesel vom Architekturbüro Plösser; Marco Nauerz, Bauabteilung der Stiftung Liebenau und Frank Bechle, Geschäftsführer von F. Kirchhoff Systembau.

Spatenstich für Sozialstation und Wohnhaus für Menschen mit Behinderung (v. li.): Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe; Markus Wursthorn, Bereichsleiter der St. Gallus-Hilfe; Pfarrer Bernd Herbinger; Sozialdezernent Andreas Köster; die Bewohner Silvia Maushart und Michael Schaber; Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau; Dieter Hornung, 2. Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinde; Baubürgermeister Stefan Köhler; Manuel Plösser, Werner Plösser und Eberhard Fiesel vom Architekturbüro Plösser; Marco Nauerz, Bauabteilung der Stiftung Liebenau und Frank Bechle, Geschäftsführer von F. Kirchhoff Systembau.

Hier entsteht ein Wohnhaus für 18 Menschen mit Behinderung: Einige der künftigen Bewohner waren vor Ort in der Friedrichshafener Marienstraße beim Spatenstich.

Hier entsteht ein Wohnhaus für 18 Menschen mit Behinderung: Einige der künftigen Bewohner waren vor Ort in der Friedrichshafener Marienstraße beim Spatenstich.

Wohnbereichsleiter Markus Wursthorn (2. v. re.) stellte mit Silvia Maushart, Sylvie Butz und Michael Schaber (v. re.) drei potenzielle Bewohner des Hauses vor.

Wohnbereichsleiter Markus Wursthorn (2. v. re.) stellte mit Silvia Maushart, Sylvie Butz und Michael Schaber (v. re.) drei potenzielle Bewohner des Hauses vor.