Sie sind hier:
14.08.2014

Johann Rieg blickt zurück

BODNEGG-ROSENHARZ – Bei Wind und Wetter sitzt Johann Rieg gerne mit Freunden im Eingangsbereich der St. Gallus-Hilfe Rosenharz auf dem Bänkle. Er raucht seine Pfeife und begrüßt die Besucher: "Ich bin der Johann und wer sind Sie?" Der 81-Jährige lebt seit 1941 in der Stiftung Liebenau.


"Bürgermeister von Rosenharz"

Johann Rieg, besser bekannt unter dem Titel "Bürgermeister von Rosenharz", kann viel erzählen. Den Rufnamen "Bürgermeister" hat er sich erworben, weil er jeden mit Namen kennt und mit der Geschichte von Rosenharz vertraut ist. Er weiß um die Hofaussiedlung 1959, erinnert sich an den Bau des Hauses Bruder Klaus und an Schwester M. Salvator: "Sie war ein freundlicher Mensch." Schwester M. Salvator verwaltete bis 1969 die Poststelle und führte einen Kiosk. "Dort habe ich meinen Schnupftabak gekauft", erzählt Johann Rieg. Er arbeitete in der Landwirtschaft. "Den Lohn bekamen wir am Sonntag nach dem Gottesdienst von Schwester Paulilla." Schwester M. Paulilla galt als "Bäuerin" der Anstalt und war bis 1978 in Rosenharz tätig. In den letzten Jahren vor ihrem Abschied veränderte sich die Landwirtschaft. Die Zugpferde wurden verkauft und die Milchviehhaltung aufgegeben.

Landeserziehungsheim St. Gertrudis

1925 kaufte die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau das Anwesen in Rosenharz und baute das Landeserziehungsheim St. Gertrudis. Dort wurden in den dreißiger Jahren bis zu 125 Schulkinder unterrichtet. Johann Rieg kam im Alter von neun Jahren von Ingerkingen, einer Zweigeinrichtung der Pflegeanstalt Heggbach, nach Rosenharz. Eine Ordensschwester rettete ihn vor der Deportation."„Hans ist gutmütig und mit anderen verträgt er sich gut", hieß es 1942 in seiner Beurteilung. Damals gab es in Rosenharz nur noch eine Schulklasse. Die Wehrmacht richtete in St. Gertrudis ein Lazarett ein. Später diente das Gebäude als Lungenheilstätte. Dass Seelsorger zur Erholung kamen, machte auf die Jugendlichen einen bleibenden Eindruck. Noch heute nennt Johann Rieg die ehemalige Station ehrfürchtig den Vatikan.

Immer Teil der Gesellschaft

Johann Rieg ist ein guter Beobachter. Er erlebte die Auflösung der Lungenheilstätte und sah den Umbau der Liegehallen zu Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Viele Erwachsene aus Liebenau und Hegenberg kamen nach Rosenharz, bewohnten das Heim St. Gertrudis und arbeiteten in den neuen Werkstätten. Nach der Auflösung der Landwirtschaft fand auch Johann Rieg seinen Arbeitsplatz in der Werkstatt. Die neue Beschäftigung fiel ihm leicht. Er redet mit jedem und beeindruckt noch heute mit seinem Wissen um alle Namenstage im Kalenderjahr. Oft ist er in der Gemeinde unterwegs und pflegt seine Kontakte zu den Bauern und Handwerkern. Er fühlte sich, noch bevor das Wort Inklusion populär wurde, gleichwertig und dazugehörend. Und dies bis heute.




 

Kontakt:
Liebenau Teamwork Kommunikation GmbH
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
info@teamwork-kommunikation.de
www.teamwork-kommunikation.de

Johann Rieg kennt jeden mit Namen und ist mit der Geschichte der St. Gallus-Hilfe Rosenharz (Stiftung Liebenau) vertraut.

Johann Rieg kennt jeden mit Namen und ist mit der Geschichte der St. Gallus-Hilfe Rosenharz (Stiftung Liebenau) vertraut.