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11.12.2014

Wohnhaus der St. Gallus-Hilfe in Bad Waldsee eingeweiht

BAD WALDSEE – Zwei Wochen vor Weihnachten wurde das neue Wohnhaus der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) für 24 Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf in Bad Waldsee offiziell eingeweiht. Im Unterurbacher Weg 16, nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum, sind bereits 14 neue Bewohner eingezogen. Zugrunde liegt das Konzept des stationär betreuten Wohnens.


Dem Haus sieht man nicht an, wer in ihm wohnt

"Die Zeiten müssen sich verändern." So laute die Grundbotschaft der Adventszeit, sagte Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau. Früher habe es Orte für sogenannte "Normale" gegeben und welche für Menschen, die man nicht für normal gehalten habe. "Diesem Haus sieht man nicht mehr an, was für Menschen in ihm wohnen", so Prälat Brock. Es gibt kein besonderes Hinweisschild, und das Haus trägt auch nicht den Namen eines Heiligen, wie das sonst bei Häusern der St. Gallus-Hilfe üblich ist. Hier genügen, wie allgemein üblich, Namen und Klingeln an der Haustür.

Dank an Stadt und Landkreis

Prälat Brock unterstrich, dass die Stiftung Liebenau mit ihren Gesellschaften nirgends hingehe, wo sie nicht willkommen sei. In diesem Sinne dankte er Bürgermeister Roland Weinschenk und den Bad Waldseer Bürgern für ihre Offenheit. Sein Dank galt auch dem Landkreis Ravensburg, vertreten durch Sozialdezernentin Diana E. Raedler. "Sie achten immer darauf, um welchen einzelnen Menschen es geht." An die Politik appellierte Brock, immer offen zu bleiben. "Die Qualität muss hoch bleiben. Der Aufwand steigt in der Regel, wenn die Zahl der Bewohner kleiner wird", so sein Hinweis.

Ziel ist möglichst selbstbestimmtes Leben

"Sie haben sehr früh erkannt, dass der Kreis eine dezentrale Versorgung der Menschen mit Behinderung anstrebt", dankte Diana E. Raedler der St. Gallus-Hilfe. Ziel sei immer ein möglichst selbstbestimmtes Leben unter Wahrung der persönlichen Würde. In diesem Sinne habe die St. Gallus-Hilfe wieder einmal ein hervorragendes Konzept vorgelegt und realisiert. "Die Schritte zur Umsetzung der Inklusion erfordern Toleranz, Offenheit und Hilfsbereitschaft von Seiten der Bürger." Bürgermeister Roland Weinschenk dankte allen, die dazu beitragen, Barrieren abzubauen – auch diejenigen im Kopf. Durch das Haus St. Martha, das vor 15 Jahren bezogen wurde, seien die Menschen bereits in Bad Waldsee angekommen. "Und das wird auch hier in dem neuen Haus gelingen."

Bildungs-, Begegnungs- und Förderstätte im Bau

Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe, berichtete, dass in der Bad Waldseer Steinstraße bereits eine Bildungs-, Begegnungs- und Förderstätte im Bau ist. "In enger Kooperation mit den Integrations-Werkstätten Oberschwaben (IWO) entstehen hier Arbeitsplätze und Möglichkeiten für eine Tagesstruktur", erläuterte Munk. Auch die Ambulanten Dienste und der Familienunterstützende Dienst sind in Bad Waldsee vertreten, so dass hier ein umfassender Hilfe-Mix zu finden ist. Munks Dank galt der Stadt und dem Landkreis. "Ihre klare Positionierung ist nicht selbstverständlich." In Bad Waldsee habe er schon früh die Bereitschaft gespürt, die Menschen als ganz normale Mitbürger zu sehen. "Aber es geht nicht nur um die Haltung, sondern auch um die Frage des Standorts", nannte Munk einen weiteren entscheidenden Punkt.

Fachkräfte unterstützen im Alltag

Dem Wohnhaus im Unterurbacher Weg mit vier barrierefreien Wohnungen mit Einzelzimmern für je fünf Personen liegt das Konzept des stationär betreuten Wohnens zugrunde. Das heißt, abends, nachts und an den Wochenenden – also immer, wenn die Menschen zu Hause sind – sind auch Fachkräfte der St. Gallus-Hilfe vor Ort, um die Menschen zu unterstützen. Ergänzt werden die Wohnungen durch vier Einzimmerappartements. Im neuen Wohnhaus werden etwa zur Hälfte Menschen aus der Stammeinrichtung der St. Gallus-Hilfe in Rosenharz leben mit Wurzeln beziehungsweise Angehörigen in Bad Waldsee. Einige Menschen zogen vom benachbarten Haus St. Martha in den Neubau. "Die Nachbarschaft und die Nähe zur Innenstadt fördern das Miteinander und sorgen dafür, dass Teilhabe gelingen kann", sagte Munk.

Wunsch- und Wahlrecht beim Wohnen

Für Bereichsleiterin Christine Beck gibt es eigentlich kein größeres Kompliment, als dass man das Haus nicht auf Anhieb findet, da es so gut im nachbarschaftlichen Umfeld aufgeht. "Im Sinne von Artikel 19 der UN-Konvention ist hier gelungen, dass jeder auf Basis des Wunsch- und Wahlrechts entscheiden konnte, wo und mit wem er lebt", berichtete Beck. Aktuell sei die St. Gallus-Hilfe in Bad Waldsee noch auf der Suche nach weiteren Wohnungen für Bewohner des Hauses St. Martha.

Die Kosten für das Wohnhaus in Bad Waldsee belaufen sich insgesamt auf 2,76 Millionen Euro. Davon trägt der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) 848.000 Euro. Weitere 250.000 Euro steuert die Aktion Mensch bei.  

 


 

Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de

Das Wohnhaus der St. Gallus-Hilfe im Unterurbacher Weg fügt sich in die Nachbarschaft ein.

Das Wohnhaus der St. Gallus-Hilfe im Unterurbacher Weg fügt sich in die Nachbarschaft ein.

Einweihung des neuen Wohnhauses im Unterurbacher Weg in Bad Waldsee: Die neuen Bewohner feierten zusammen mit Vertretern des Landkreises Ravensburg, der Stadt, der St. Gallus-Hilfe und der Stiftung Liebenau.

Einweihung des neuen Wohnhauses im Unterurbacher Weg in Bad Waldsee: Die neuen Bewohner feierten zusammen mit Vertretern des Landkreises Ravensburg, der Stadt, der St. Gallus-Hilfe und der Stiftung Liebenau.

Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe dankte Bereichsleiterin Christine Beck (rechts) und Hausleiterin Ruth Rothermel für die geleistete Arbeit in Bad Waldsee.

Jörg Munk, Geschäftsführer der St. Gallus-Hilfe dankte Bereichsleiterin Christine Beck (rechts) und Hausleiterin Ruth Rothermel für die geleistete Arbeit in Bad Waldsee.

Symbolischer Schlüssel für die neuen Hausbewohner: Andreas Reinhardt vom Architekturbüro Zyschka (rechts) überreichte den Schlüssel an Bewohner Sascha Mitrovic, Bereichsleiterin Christine Beck (links) und Hausleiterin Ruth Rothermel.

Symbolischer Schlüssel für die neuen Hausbewohner: Andreas Reinhardt vom Architekturbüro Zyschka (rechts) überreichte den Schlüssel an Bewohner Sascha Mitrovic, Bereichsleiterin Christine Beck (links) und Hausleiterin Ruth Rothermel.