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26.01.2015

Die Zuschauer sind ganz nah dran

ROSENHARZ – Es ist Winter und es ist bitterkalt. Die Theatergruppe "Die Außergewöhnlichen" der St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau in Rosenharz spielt "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" nach einem Märchen von Hans Christian Andersen. "Es ist eine außergewöhnliche Aufführung von außergewöhnlichen Menschen", lobt Hausleiterin Carla Gitschier von der St. Gallus-Hilfe.


Fließender Übergang

Die Cafeteria Rosenharz ist Saal und Bühne zugleich, der Übergang ist fließend, die Zuschauer sind ganz nah dran. Scheinwerfer beleuchten den Schauplatz, märchenhafter Gesang umschmeichelt die Ohren der Zuschauer. Die Idylle trügt. "Mädchen, Mädchen", schreit der Vater betrunken und jähzornig nach seiner Tochter. Das Mädchen soll Schwefelhölzer verkaufen und Geld für noch mehr Alkohol nach Hause bringen.

Auf der Straße

"Ein Mädchen, die Mutter ist tot, wächst bei ihrem Stiefvater auf. Einzig bei der ebenfalls verstorbenen Großmutter hat sie Liebe und Güte erfahren." Zwischen den einzelnen Bildern erzählt Holger Niegel Fragmente zur Geschichte. Das Mädchen irrt durch die Straßen. Frauen und Männer eilen an dem Mädchen vorüber, niemand will ihm helfen, jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Rosi Sauter unterstützt die Schauspieler in ihren Rollen, begleitet den fließenden Szenenwechsel zwischen der rauen Realität und den Träumen des Kindes.

Die Welt der anderen

Geschenke tanzen fröhlich um das Mädchen, vergeblich greift es danach. Die Welt der anderen ist für sie unerreichbar. Melodien, eingespielt von Thomas Dröber, unterstreichen die Dramatik. Die Zuschauer fühlen mit, würden gerne das aneinander Vorbeieilen unterbrechen: "Ja, seht ihr das Mädchen denn nicht?" Die verstorbene Großmutter erscheint, nimmt das Kind in ihre Arme. Erst tot erregt das Mädchen die Aufmerksamkeit der Passanten. Sie laufen zusammen, begaffen es. Aufkommende Schuldgefühle werden verdrängt: "Warum verbringt sie auch solch‘ eine kalte Nacht auf der Straße?"

Starker Ausdruck

Die Zuschauer sind berührt. "Menschen mit Behinderung können sich sehr gut in die Thematik einfühlen. Ausgrenzung und soziale Not sind manchen leider vertraut", sagt Holger Niegel. Wiederholt ist es dem Leiter der Theatergruppe von Menschen mit Behinderung gelungen, den Lebenserfahrungen der Schauspieler einen Ausdruck zu geben, der fasziniert, verblüfft und überraschend ehrlich ist.

Unbändige Freude

Die Schauspieler sind ganz präsent. Jeder schlüpft in seine Rolle, verleiht dem Bühnenstück seinen eigenen Charme. Ihre Begeisterung steckt an. Am Ende siegt nicht die Traurigkeit, sondern ihre unbändige Freude, eine solche Dramaturgie durchbrochen zu haben. Das Spiel "der Außergewöhnlichen" ist eine Botschaft der Toleranz, ein liebevolles Plädoyer für ein achtsames Miteinander.




 

Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de
www.stiftung-liebenau.de

Laut, poltrig und wütend verleiht Peter Böhringer von der St. Gallus-Hilfe der Figur des Vaters, der seinen Kummer im Alkohol ertränkt, eine skurrile Note.

Laut, poltrig und wütend verleiht Peter Böhringer von der St. Gallus-Hilfe der Figur des Vaters, der seinen Kummer im Alkohol ertränkt, eine skurrile Note.

Spürbare Kälte und Einsamkeit: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern auf der Straße. Frauen und Männer eilen vorüber, würdigen sie keines Blickes.

Spürbare Kälte und Einsamkeit: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern auf der Straße. Frauen und Männer eilen vorüber, würdigen sie keines Blickes.

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern träumt sich in die Häuser und Herzen der Menschen, träumt von einer großen Familie, die miteinander feiert und fröhlich ist. Kälte, Hunger und Durst sind vergessen.

Das Mädchen mit den Schwefelhölzern träumt sich in die Häuser und Herzen der Menschen, träumt von einer großen Familie, die miteinander feiert und fröhlich ist. Kälte, Hunger und Durst sind vergessen.

„Die Außergewöhnlichen“: Unter der Leitung von Holger Niegel (Mitte) spielen Menschen mit Behinderung der St. Gallus-Hilfe Rosenharz ein Märchen nach Hans Christian Andersen. Unterstützt werden die Schauspieler von Rosi Sauter, Mitarbeiterin der St. Gallus-Hilfe (2.v.r.).

„Die Außergewöhnlichen“: Unter der Leitung von Holger Niegel (Mitte) spielen Menschen mit Behinderung der St. Gallus-Hilfe Rosenharz ein Märchen nach Hans Christian Andersen. Unterstützt werden die Schauspieler von Rosi Sauter, Mitarbeiterin der St. Gallus-Hilfe (2.v.r.).