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10.02.2015

Phönixe wollen gesehen werden

RAVENSBURG/HEGENBERG – Sie ist spürbar: die Vorfreude auf die Fasnet. Die "Phönixe – ab wie nix" stehen in den Startlöchern für die Umzüge in Brochenzell und Tettnang. Zum 30. Mal springt die Gruppe von Menschen mit Behinderung heuer bei der Fasnet mit. Hermann Breyer-Burkart ist an dieser Beständigkeit nicht unbeteiligt. Seit Anfang an begleitet der ehemalige Mitarbeiter der St. Lukas-Klinik und der St. Gallus-Hilfe (Stiftung Liebenau) die Gruppe. Auch noch in seinem Ruhestand.


Rote Nase, weiße Wangen, strahlende Augen

Das graue Kostüm der zierlichen Frau hängt voller Orden. Ein großer Schnabel sitzt passgenau auf ihrem Kopf. Drunter lugen eine rote Nase, weiße Wangen, strahlende Augen und ein breites Lächeln hervor. Irene Manz ist eine Frau der ersten Stunde und auch nach 30 Jahren findet sie die Beteiligung bei den Phönixen "einfach schön". Dass die Gesichter der Phönixe nicht hinter Masken versteckt sind, war immer auch Statement: "Wir wollen gesehen werden."

Freude und Verantwortung

Die "Phönixe – ab wie nix" laufen auch nach drei Jahrzehnten unermüdlich bei Umzügen mit. Dass dies möglich ist, hat die Gruppe auch Breyer-Burkart zu verdanken. Doch zuvor musste ein Bewohner ihn von seiner Idee überzeugen. Was Breyer-Burkart schlussendlich bewogen hat, darüber muss er einen Moment nachdenken. "Eigentlich die Leute, wie sie sind. Ihre Menschlichkeit und ihre Offenheit, die sie einem entgegenbringen", erklärt er. Er verhehlt auch nicht, dass die Begleitung immer mit einem großen Stück Verantwortung verbunden war. Verschließen konnte er sich trotzdem nicht, was noch einen tieferen Grund hat: Die Arbeit bei seinem Sozialpraktikum 1972 bei der Stiftung Liebenau berührte ihn. Sie war der Schlüssel zu seiner "Berufung", wie er selbst es nennt. Er studierte Sozialpädagogik und arbeitete bis zu seiner Berentung 34 Jahre mit Menschen mit Behinderung. Unter anderem im Werkstudio für Kunst und Kreativität in Hegenberg, das 1985 gegründet wurde. Das war gleichzeitig die Geburtsstunde der Phönixe.

300 Personen waren schon dabei

In diesem Jahr werden rund 30 Leute mitlaufen. Über die Jahre, so die Schätzung von Breyer-Burkart, haben sich 300 wechselnde Personen beteiligt. Irene Manz und, seit 17 Jahren, auch Günther Denk sind nicht wegzudenkende feste Mitglieder. Günther Denk sprang mit elf Jahren das erste Mal mit. Er fand es immer am schönsten, Bonbons zu werfen. Vor allem die Freude der Kinder und der Erwachsenen über die süßen Gaben, gefiel ihm dabei. Leider findet sich heute immer seltener jemand, der die Bonbons sponsert.

Selbstständigkeit zulassen

Breyer-Burkart freut sich darüber, dass er vielen Menschen einen Weg eröffnet hat, dabei sein zu können und ein Stück weit selbstständiger zu werden. So gab und gibt es Leute, die eigenständig von Bad Waldsee mit dem Zug zu den Umzügen anreisen. Von Hegenberg gibt es inzwischen nur noch eine Person, die mitmacht. Alle anderen kommen aus anderen Wohn- und Lebensformen der St. Gallus-Hilfe, wie etwa dem Ambulant Betreuten Wohnen in Tettnang oder dem Gemeindeintegrierten Wohnen in Ravensburg und Bad Waldsee. Auch nach 30 Jahren sind die Phönixe breit aufgestellt und haben keine Nachwuchssorgen, was Breyer-Burkart besonders freut: "Dann kann ich loslassen." Hier meint er vor allem die große Verantwortung. Denn aufhören wird er noch lange nicht.

 


 

Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation
Sekretariat Presse
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
Telefax 07542 10-1117
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de
www.stiftung-liebenau.de

Sind fester Bestandteil der Fasnet: die Gruppe "Phönixe – ab wie nix" der St. Gallus-Hilfe. Sie springen bei den Umzügen in Brochenzell und Tettnang.

Sind fester Bestandteil der Fasnet: die Gruppe "Phönixe – ab wie nix" der St. Gallus-Hilfe. Sie springen bei den Umzügen in Brochenzell und Tettnang.

Irene Manz (Mitte) und Hermann Breyer-Burkart (rechts, ehemaliger Mitarbeiter der St. Lukas-Klinik und der St. Gallus-Hilfe) gehören zu den Gründungsmitgliedern der Phönixe. Günther Denk ist mit elf Jahren zum ersten Mal bei der Gruppe mitgesprungen – ohne Unterbrechung.

Irene Manz (Mitte) und Hermann Breyer-Burkart (rechts, ehemaliger Mitarbeiter der St. Lukas-Klinik und der St. Gallus-Hilfe) gehören zu den Gründungsmitgliedern der Phönixe. Günther Denk ist mit elf Jahren zum ersten Mal bei der Gruppe mitgesprungen – ohne Unterbrechung.