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24.11.2015

Inklusion und Gesundheit - Thema in der Stadtbücherei Tettnang

TETTNANG - Der vierte und letzte Themenabend der Veranstaltungsreihe in Tettnang stellte "Inklusion und Gesundheit" in den Fokus und lockte ein buntes Publikum in die barrierefreie Bücherei. Die Veranstaltungen finden im Rahmen des Projektes "Gemeinsam sind wir bunt in Tettnang" statt, einem Kooperationsprojekt der St. Gallus-Hilfe, der Diakonie Pfingstweid und der Stadt Tettnang im Rahmen des Programms "Gemeinsam sind wir bunt" des Sozialministeriums Baden-Württemberg.


Inklusion ist Thema in Tettnang

Auch bei der vierten Abendveranstaltung des Projektes führte das eingespielte Duo Sandra Temme (Diakonie Pfingstweid) und Nils Pasternak (St. Gallus-Hilfe) durch den Abend. Lars Kehling (Vorstand Diakonie Pfingstweid) freut sich darüber, wie viele Gäste an den vier Themenabenden teilgenommen haben. "Ich sehe ein großes Interesse der Stadt Tettnang und deren Bürgern an Menschen mit Behinderung, die ganz selbstverständlich zum Stadtbild dazugehören. Bürgerschaftliches Engagement bereichert das Leben und lässt Zusammenarbeit ausbauen." Melanie Friedrich, die Beauftragte der Stadt Tettnang für Bürgerschaftliches Engagement, möchte Teilhabe ermöglichen, aber auch Menschen mit Behinderung ermutigen sich bürgerschaftlich zu engagieren.

Fachimpuls zum Themenfeld Prävention

Zum Themenfeld Prävention führte die Expertin  Dr. Gudrun Bungard (Oberärztin St. Lukas-Klinik) aus. Sie beschreibt die Arbeit mit Menschen mit Behinderung bei psychischen Erkrankungen im Fachkrankenhaus, exklusiv für Menschen mit geistiger Behinderung: "Diese Menschen brauchen einen Raum, in dem sie mit ihrer Krankheit gut aufgehoben sind. Sie haben ein deutlich höheres Risiko an einer psychischen Störung zu erkranken und sind angewiesen auf ein Unterstützernetz." Die Herausforderung für beide Seiten sei es, die Umgebungsbedingungen so zu gestalten, dass es Menschen mit Behinderung möglich ist, überall teilhaben zu können.

Fachexperten über Inklusion im Gesundheitswesen

Zu den vier Säulen der Gesundheit Prävention, Therapie, Pflege und Rehabilitation führten Temme und Pasternak anschließend mit verschiedenen Experten aus Tettnang Kurzinterviews. So betonte Dr. Eva Baur, die mit Ihrem Team seit Jahren Sprechstunden in der Diakonie Pfingstweid für Klienten abhält, dass Menschen mit Behinderung als Patient große emotionale Sicherheit benötigen. "Eine Bezugsperson muss mit dabei sein. Ich bin dankbar für die St. Lukas-Klinik, man müsste sie erfinden wenn es sie nicht gäbe", so Dr. Baur.

Apotheker Hermann Bär unterstreicht mit der Erfahrung, dass Menschen mit Behinderung einen festen Ansprechpartner brauchen: "Manche gehen wieder und kommen mehrmals zurück, solange bis deren Bezugsperson da ist. Wir nehmen uns die Zeit die Menschen zu verstehen, Sprachbarrieren gibt es kaum".

Laut Stefan Meir, Psychologe und Psychotherapeut in der St. Lukas-Klinik, können Menschen mit Behinderung auch ohne Begleitung in diese Fachklinik gehen. "Wir leisten in der Ambulanz Hilfe in akuter Not, unser Angebot hängt vom Bedarf ab, der Kooperation und des Sicheinlassens des Patienten auf die Behandlung."

Dienstleister aus dem Gesundheitswesen berichten

Zur Säule Pflege beschreibt Magda Joos (Kirchliche Sozialstation) das Angebot der Nachbarschaftshilfe und der Familienpflege sowie die Pflegedienstleitung Martina Roder (Pflegedienst Konzett) die Dienstleistung des Pflegedienstes. Frau Henriette Maurer berichtete über den Alltag in ihrer Logopädie-Praxis, Irene Stritt-Feurer über die Arbeit in ihrer Praxis für Physiotherapie. Inklusion scheint hier seit Jahren ganz selbstverständlich zu sein. Barbara Thielicke (Sozialdienst Krankenhaus Tettnang) macht auf das Problem aufmerksam, dass es in einer Reha "niemanden gibt, der Menschen mit Unterstützungsbedarf begleitet. Eine Begleitperson sollte mitgehen können“. Als Sozialdienst hilft sie, die entsprechenden Anträge zu stellen.

Unterstützungsmöglichkeiten durch ehrenamtliches Engagement

Auf die mögliche Begleitung durch Ehrenamtliche im Programm „Aktiv für Ältere Menschen mit Behinderung“ weist Annette Hermann vom Landratsamt Bodenseekreis hin. Frau Schultheiss, Yoga-Lehrerin ruft zur Teilnahme des offenen Angebots im Schlosspark Tettnang auf. Gerd Danckert, lange Jahre für das Sportangebot in der Diakonie Pfingstweid verantwortlich, plädiert dafür, dass Menschen mit Behinderung genauso in den Sportvereinen teilhaben sollten. "Man muss die Teilnahme ermöglichen und Menschen mit Behinderung zu den Angeboten in den Vereinen bringen". Im Interview mit Sandra Temme schildert Franz Heldele (er nimmt die Ambulanten Hilfen der Diakonie in Anspruch) seine Erfahrungen aus einer Reha.

Pastoralreferentin Gabriele Verdeil (Diakonie Pfingstweid) geht auf das Angebot für die Seele ein. Sie versteht sich als Lebensbegleiterin und versucht Gesprächsraum zu geben. Klienten in der Diakonie Pfingstweid können dieses Angebot in Anspruch nehmen.

Reger Austausch der Gäste und Experten

Vielfältige Gespräche der Gäste mit den Experten in der Pause machten die geplanten, vertiefenden Gespräche an den vier Thementischen überflüssig. "Unser Ziel ist es, die Akteure aus Tettnang zusammen zu bringen und den Austausch zu fördern. Wenn das ohne Moderation gelingt, umso besser", so die zufriedenen Veranstalter.

Die Ergebnisse der vier Inklusions-Themenabende werden im nächsten Jahr in einer Sitzung des Gemeinderates vorgestellt. Damit soll das Thema Inklusion in Tettnang weiter verankert werden.

Projekt wird vom Sozialministerium gefördert

Das Tettnanger Kooperationsprojekt "Gemeinsam sind wir bunt in Tettnang" wurde als eines der 25 Förderprojekte vom Sozialministerium Baden-Württemberg ausgewählt. Mit dem Projekt soll Inklusion thematisiert und die verschiedenen Akteure zusammen gebracht werden. Mit dem Programm "Gemeinsam sind wir bunt" des Sozialministeriums soll das Bürgerschaftliche Engagement gestärkt und Lebensräume zu Engagementräume weiterentwickelt werden. Bei dem Tettnanger Projekt liegt der Fokus auf dem Thema Inklusion und unterstützt damit die Öffentlichkeitskampagne "DUICHWIR Alle inklusive" des Sozialministeriums.

Weitere Infos finden Sie hier.

 

Das Plakat zur Veranstaltung zum Download

 

 

"Das eingespielte Duo Nils Pasternak (St. Gallus-Hilfe) und Sandra Temme (Diakonie Pfingstweid) begrüßen das bunte Publikum" (Quelle: S. Schaub)

"Das eingespielte Duo Nils Pasternak (St. Gallus-Hilfe) und Sandra Temme (Diakonie Pfingstweid) begrüßen das bunte Publikum" (Quelle: S. Schaub)

"Nach den fachlichen Impulsen gab es einen regen Austausch in der barrierefreien Stadtbücherei Tettnang" (Quelle: S. Schaub)

"Nach den fachlichen Impulsen gab es einen regen Austausch in der barrierefreien Stadtbücherei Tettnang" (Quelle: S. Schaub)