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11.12.2015

Jobcoaching: Alwin Baumeister hat Berufseinstieg geschafft

MARKDORF – In einem ganz "normalen" Betrieb arbeiten trotz Behinderung? Das "Jobcoaching" der Liebenauer Arbeitswelten macht’s möglich. Dieses Programm unterstützt Menschen wie Alwin Baumeister bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Mit Erfolg: Bei der Markdorfer Firma Schaudt hat der 29-Jährige den richtigen Job am richtigen Ort gefunden.


Klare Vorstellungen

"Das ist nicht das, was ich auf Dauer machen will." Alwin Baumeister hatte schon immer klare Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft. Und die sah er in einer Firma außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), in der er einige Jahre lang tätig war. Mit dem festen Wunsch, sich weiterzuentwickeln, kam er zu Danja Gründler, "Jobcoaching"-Leiterin bei den Liebenauer Arbeitswelten. Sie und ihre Kolleginnen vermitteln Menschen wie Alwin Baumeister einen Arbeitsplatz in einem Betrieb und unterstützen sie dort.

Niederschwelliges Angebot

Aktuell profitieren insgesamt 25 Menschen in den Landkreisen Ravensburg und Bodensee von diesem niederschwelligen und personenorientierten Angebot. Vorteil: Die Teilnehmer haben eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, genießen aber noch den "Schutz" der WfbM. Das heißt: Sollte es in einem Betrieb einmal nicht funktionieren, wird einfach nach anderen Alternativen gesucht: "Es gibt keine Sackgasse", betont Danja Gründler. Dass es im Falle von Alwin Baumeister auch funktioniert – da habe es aus seinem Umfeld auch durchaus skeptische Stimmen gegeben. Doch der blieb stur: "Ich will das unbedingt."

Traumjob in Markdorf gefunden

Auf der Suche nach einem geeigneten und wohnortnahen Betrieb wurden die Liebenauer Arbeitswelten schließlich bei der Schaudt GmbH in Markdorf fündig und stießen dort auf offene Ohren. Ein Praktikum räumte die letzten Bedenken aus, und dann erhielt Alwin Baumeister einen sogenannten "Betriebsintegrierten Arbeitsplatz". Das war vor gut zwei Jahren. Seitdem ist der junge Mann einer von rund 50 Mitarbeitern bei Schaudt. Das mittelständische Unternehmen entwickelt und produziert elektronische Systeme für namhafte Hersteller von Wohnmobilen, ist dabei Marktführer in Deutschland und auch europaweit ein fester Begriff. Baumeister arbeitet bei Schaudt im Warenein- und -ausgang. Dort verpackt er unter anderem Geräte, nimmt Pakete an und kümmert sich um die korrekte Lagerung.

"Voll integriert"

"Er ist voll integriert", betont Andreas Eggert, Leiter der Materialwirtschaft bei Schaudt. Alwin Baumeister – ein Mitarbeiter wie jeder andere auch? Mit einer kleinen Ausnahme: "Er hat etwas mehr Pausen als die anderen Mitarbeiter, und er geht früher heim", so Eggert. Auf 35 Wochenarbeitsstunden kommt er trotzdem – und ist glücklich damit. Er freue sich, "dass es immer etwas zu tun gibt", sagt Baumeister. Vorgesetzte und Kollegen sind voll des Lobes: "Wir haben ihn richtig ins Herz geschlossen, er gehört dazu", sagt sein Mentor bei Schaudt, Andreas Reinl. Nicht nur menschlich, auch was seine Arbeitsleistungen angeht, sei er eine Bereicherung. "Er sieht Sachen, die wir oft gar nicht bemerken würden, weil er sehr aufmerksam und konzentriert ist", berichten Eggert und Reinl. So entdeckt Alwin Baumeister dank seiner genauen Beobachtungsgabe mitunter auch unscheinbare Abweichungen – und verblüfft mit dem fotografischen Gedächtnis immer wieder seine Chefs.

Schrittweise mehr Verantwortung

Wie gut es für ihn läuft, zeigen auch die seltener gewordenen Besuche seines Jobcoaches. War sie anfangs noch wöchentlich da, schaut Danja Gründler inzwischen nur noch alle 14 Tage vorbei. Wenn es ein Problem geben sollte, wäre sie sofort da. Doch Probleme habe es mit Alwin eigentlich nie gegeben, meint Reinl. Am Anfang war natürlich vieles neu gewesen für Baumeister. So musste er erst lernen, mit der Hektik des Alltages um sich herum klarzukommen – und manchmal musste er auch etwas in seinem Eifer gebremst werden. "Peu à peu", so Andreas Reinl, habe man das Arbeitspensum gesteigert. Heute arbeitet Baumeister weitgehend selbstständig im Lager, am PC oder teilweise auch bei der Fertigung. Sogar in der End-Geräteprüfung ist er bereits zum Einsatz gekommen. Und auch hier hat er sich bewährt.

Gesundes Selbstvertrauen

Der Hobbyfischer lebt in Markdorf in einem Einzelappartement im Betreuten Wohnen der St. Gallus-Hilfe. Sein Ziel ist es, auch hier irgendwann noch selbstständiger zu sein. Danja Gründler imponiert das. Sie unterstützt die Teilnehmer darin, ihre Wünsche zu verfolgen und selbst über das eigene Leben zu entscheiden – auch bei Gegenwind. Ob er denn selber jemals die Sorge gehabt hat, es vielleicht nicht zu schaffen? "Nö", sagt Baumeister. "Ich habe mir gesagt: Komm, mach’s einfach."

 


 

Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de

www.stiftung-liebenau.de

 

 

Einen festen Job beim deutschen Marktführer dank "Jobcoaching" der Liebenauer Arbeitswelten: Alwin Baumeister hat seit zwei Jahren einen sogenannten Betriebsintegrierten Arbeitsplatz beim Markdorfer Mittelständler Schaudt GmbH.

Einen festen Job beim deutschen Marktführer dank "Jobcoaching" der Liebenauer Arbeitswelten: Alwin Baumeister hat seit zwei Jahren einen sogenannten Betriebsintegrierten Arbeitsplatz beim Markdorfer Mittelständler Schaudt GmbH.

Freuen sich über ein gelungenes Jobcoaching (v. li.): Andreas Reinl (Schaudt GmbH), Danja Gründler (Liebenauer Arbeitswelten), Alwin Baumeister und Andreas Eggert (Leiter Materialwirtschaft Schaudt GmbH).

Freuen sich über ein gelungenes Jobcoaching (v. li.): Andreas Reinl (Schaudt GmbH), Danja Gründler (Liebenauer Arbeitswelten), Alwin Baumeister und Andreas Eggert (Leiter Materialwirtschaft Schaudt GmbH).

Konzentriert bei der Arbeit: Schaudt-Mitarbeiter Alwin Baumeister bei der automatisierten Sicherheitsprüfung der Ware.

Konzentriert bei der Arbeit: Schaudt-Mitarbeiter Alwin Baumeister bei der automatisierten Sicherheitsprüfung der Ware.