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21.01.2016

Einweihung des Wohnhauses Marienstraße 16

FRIEDRICHSHAFEN – In der Marienstraße in Friedrichshafen entstanden sieben Wohnungen für 18 Menschen mit Unterstützungsbedarf. Ende November sind die ersten Bewohner eingezogen, die von Mitarbeitern der St. Gallus-Hilfe der Stiftung Liebenau begleitet werden. Unter demselben Dach hat die Sozialstation der Katholischen Gesamtkirchengemeinde ihre Arbeit aufgenommen. Mitte Januar segnete Pfarrer Bernd Herbinger die Räume, in denen zwei kirchliche Träger kooperieren.


Zurück in die Gemeinden

An erster Stelle begrüßte Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand der Stiftung Liebenau, die neuen Bewohner der Marienstraße 16. Sei es vor etwa 145 Jahren noch Usus gewesen, Menschen mit Behinderung außerhalb der Kommunen und damit weg vom Straßenbild unterzubringen, gehe der Trend heute zurück in die Gemeinden. Spezialeinrichtungen seien weiterhin wichtig. "Aber wir wollen für jeden einzelnen Menschen überlegen, welche Wohnform ihm möglichst viel Glück und Selbstentfaltung ermöglicht", sagte Prälat Brock. Dabei sei der Begriff Inklusion für die Stiftung Liebenau kein politisches Thema, sondern Ausdruck einer inneren Haltung.

Gelungene Kooperation zweier Träger

Zentrale Lage, kurze Wege, öffentliche Verkehrsmittel – Franz-Bernhard Bühler, zweiter Vorsitzender der Katholischen Gesamtkirchengemeinde nannte die Vorteile des Stadthauses. "Das moderne Gebäude fügt sich harmonisch in die Nachbarschaft ein", dankte er den Architekten Werner und Manuel Plösser. Noch wichtiger sei jedoch die gesellschaftliche Wirkung. "Wir sind dankbar, dass hier die Kooperation zweier katholischer Träger erfolgreich umgesetzt wurde", so Bühler. Krankenpflege, Nachbarschaftshilfe, ambulanter Hospizdienst, Essen auf Rädern, Hausnotrufdienst und Familienpflege sind Säulen der Sozialstation, die Anfang November ihre Arbeit in der Marienstraße aufgenommen hat.

Hülle für das Gefühl von Heimat

"Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl", zitierte Markus Wursthorn, Bereichsleiter der St. Gallus-Hilfe, Herbert Grönemeyer. In diesem Sinne sei das Haus in der Marienstraße die äußere Hülle mit drei Wohngemeinschaften für vier Personen, zwei Zweier-WGs und zwei Einzimmerappartements – alle mit eigener Küche und Bad sowie Balkon. Eine weitere Wohnung dient als Dienstzimmer. "Alle Bewohner haben entsprechend der Landesheimbauverordnung ein Einzelzimmer", berichtete Wursthorn.

Mittendrin statt nur am Rand

Ignaz Wetzel, Sozialdezernent des Bodenseekreises, nannte Inklusion ein zentrales Thema unserer Zeit. Mit dem Haus in der Marienstraße hätten Stiftung Liebenau und Katholische Gesamtkirchengemeinde gemeinsam einen Meilenstein gesetzt. Auch Oberbürgermeister Andreas Brand lobte den Bau des Hauses als kluge und weitreichende Entscheidung. "Hier leben Menschen mittendrin statt nur am Rande. Und das ist gut und richtig." Dieses gute Beispiel sollte Nachahmer finden, wünschte Brand. Die Stiftung Liebenau sei in diesem Zusammenhang eine feste Größe. "Die Mitarbeiter machen ihre Arbeit nicht nur richtig, sondern mit Herzblut und aus Überzeugung."

Wie baut man Inklusion?

"Wie baut man Inklusion?", fragte Architekt Werner Plösser. "Unaufgeregt und normal. Ebenso wie für jeden anderen Nutzerkreis", gab er selbst die Antwort. Wichtig seien ihm die städtebauliche Integration sowie eine zeitgemäße, klare Formensprache gewesen. "Auffallen soll das Haus im besten Fall durch seine Qualität." Im Namen der Menschen, die hier leben sprach Gabi Janson. "Ich wohne gern in Friedrichshafen. Die Stadtmitte bietet viele Möglichkeiten." Hier könne sie selbstständig werden. Nikolai Geršak am Flügel und Verana Witzig am Cello setzten bei der Einweihung musikalische Akzente. Pfarrer Bernd Herbinger segnete das Haus und seine Räume.

Informationen:

Gefördert wurde das neue Wohnangebot für mehr Teilhabe und Inklusion vom Land Baden-Württemberg mit 640.000 Euro und von der Aktion Mensch mit 250.000 Euro.

 

 


 

Kontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de

Gottes Segen für das Haus und seine Menschen: Pfarrer Bernd Herbinger segnete im Rahmen der Einweihungsfeier das Haus in der Marienstraße 16 und seine Räume.

Offizielle Schlüsselübergabe zur Einweihung des Hauses Marienstraße 16 (v.li): Architekt Manuel Plösser; Markus Wursthorn, Bereichsleiter Wohnen Erwachsene Bodenseekreis der St. Gallus-Hilfe; Architekt Werner Plösser; Werner Figilister, Geschäftsführer der Katholischen Sozialstation; Pflegedienstleiterin Barbara Härle-Schultheiss; die Bewohnerin Anne Riester und Uwe Steinijans sowie Teamleiter Robert Jörg von der St. Gallus-Hilfe.

Reden und Grußworte im Haus der kirchlichen Dienste in der Nachbarschaft: Rund 100 Gäste kamen zur Einweihung des Stadthauses in der Friedrichshafener Marienstraße.

Das Leben mitten in der Stadt bietet viele Möglichkeiten: Gabi Janson gefällt ihr neues Zuhause in der Marienstraße 16.

Nachahmung ausdrücklich erwünscht: Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand lobte den Bau des Stadthauses als kluge und weitreichende Entscheidung.